1. September 2011 10

Mein Herz so schwarz-weiß

| Abseits

So. Habe mal ein paar Jahre darüber nachgedacht, ob es stimmt, dass einem die Liebe verloren geht, wenn man beginnt, sich intensiv mit ihr (bzw. dem, was man liebt) zu beschäftigen. »Professionell«, schriftlich, regelmäßig, öffentlich, eventuell auch für Geld. Ich war mir lange Zeit nicht sicher, aber ich nahm die Sache ernst, wollte da kein Risiko eingehen. Ist es wirklich so, dass der Zauber verschwindet?

Kann sein.
Glaub ich aber nicht.

Neulich habe ich eines dieser Expertenbücher gelesen, in denen dazu geraten wird, stets seinen Leidenschaften nachzugehen, also auch beruflich, nach dem Motto: »Nimm das, was dir wirklich wichtig ist, als Gradmesser, als Ausgangspunkt und Ziel. Verfolge das, was du liebst. Es wird dich nicht nur glücklich, sondern auch erfolgreich machen.« Das Erste, was ich beim Lesen dieser Zeilen dachte, war: Könnte vielleicht auch mal jemand erwähnen – obwohl es unpopulär ist und spielverderbermäßig rüberkommt –, dass man sich seine Liebe auch ordentlich versauen kann, indem man beispielsweise versucht, einen Beruf daraus zu machen, oder sich Regelmäßigkeit vornimmt, sie zum Projekt ernennt? Sollte man sich nicht vielmehr auf das fokussieren, was man gut kann, und das, was man liebt, besser in Ruhe und sich selbst genug sein lassen?

Nö.
Grundsätzlich schließen sich Lieben, Wollen und Können ja erst mal nicht aus. Idealerweise ergänzen sie sich sogar. (Ach was.)

Das mit mir und Fußball, das ist schon lange was Seriöses und geht nicht so schnell verschütt. Aber gelegentlich gilt es zu kämpfen, wie so oft – nicht so einen entbehrungsreichen, aufopferungsvollen Blödsinnskampf, der zu nichts führt und unglücklich macht, sondern einen, mit dem es einem vorwiegend gut geht, der zwar mitunter anstrengend ist, aber auch Kraft gibt. Die Liebe vor den Fouls des Alltags beschützen. Sie nicht verleugnen. Um sie wissen, auch wenn sie sich gerade mal versteckt. Sich für sie einsetzen. All das ist nicht so leicht, dazu braucht es Eier Mut, einen klaren Blick, ein halbwegs intaktes Herz-Kreislauf-System und ein bisschen Glück. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich Fehler zu verzeihen, das Unentschieden auszuhalten. Und manchmal muss man auch mal alleine durchgehen und in Kauf nehmen, sich zu verdribbeln.

(So. Pathosendspurt.)

Ich liebe Fußball. Ich liebe dieses Weblog. Und jetzt bin ich aufgeregt, mir ist warm, ich hab Puls. Und Lust, wieder häufiger Liebesbriefe zu schreiben. Lange, kurze, kryptische, kitschige, unrunde. Einige werde ich zigmal verwerfen und von Neuem beginnen, so wie diesen hier, andere nie abschicken, aber das macht ja nichts. So ist das eben manchmal mit der Liebe.

10 Kommentare

  1. Harald sagt:

    Mensch, ist das schön, dass Du wieder da bist:
    Ich wünsch Dir ein aufregendes Spiel!

  2. jens sagt:

    Liest sich gut. Bin gespannt. RSS-Feed abonniert :)

  3. stefanie sagt:

    @jens Das freut mich. :-)

  4. Und ich hab meine Blogroll aktualisiert. Freue mich auf mehr.

  5. stefanie sagt:

    @Trainer Baade: Oh, danke, wie schön!

  6. Pathos ist toll.
    Und Dein Blog erst.
    Ich tröte mal laut vor Begeisterung, dass Du die Blogospähre künftig wieder regelmäßig zum Jubeln bringst!

  7. stefanie sagt:

    @wortundwendung Merci. Hab dein Tröten bis hierhin gehört!
    Es passte klanglich ausgezeichnet zu meinem gestrigen Derbysiegjubel.

  8. heinzkamke sagt:

    Möchte auch noch “schön” sagen.

  9. stefanie sagt:

    @heinzkamke Und ich noch mal: Danke! (Freu mich.)

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