5. April 2014 0

| Anstoß

Los Gatitos



23. März 2014 0

Gooool mit vier »o«

| Hoffnungsträger, Spielplan

Als mich Alois vor ein paar Monaten gefragt hat, ob ich sein Fußballbuch über Brasilien lektorieren möchte, wusste ich noch nicht, dass daraus ein so besonderes Projekt werden würde. Unverhofft hat sich »Gooool do Brasil – Kartografie einer nationalen Leidenschaft« für mich zur Herzensangelegenheit entwickelt. Futebol ohne Anführungszeichen, Seleção mit Cedille und Tilde, die Basics waren schnell klar. Der Zauber lag im Detail. Im Ohr den Lektoratssoundtrack in Dauerschleife, vor der Nase was mit Limetten, Eis und Zucker, gedanklich im Wechsel irgendwo in São Paulo und bei Gooool mit vier »o«. So hätte das ewig weitergehen können.

»Gooool do Brasil« hat mich begeistert. Jetzt, da das Werk endlich in meinem Bücherregal steht und die Freude darüber irgendwie kein Ende nehmen will, habe ich Alois ein paar Fragen dazu gestellt. (Seinen Vorschlag, das Interview auf Österreichisch zu führen, musste ich bedauerlicherweise ablehnen.)

Jeder Oasch macht heut’ ein Buch. Wann und warum hast du gesagt: »Ich auch!«?
Ende 2008 war mein erster Aufenthalt in Brasilien. Eins führte zum anderen: Die Liebe (zu Futebol), die Lust (auf ein Buchprojekt) und die relativ neue Leidenschaft zur Fotografie. Und: Ich liebe Bücher beziehungsweise Magazine.

Liebe, Lust und Leidenschaft. Nicht die schlechtesten Zutaten für ein gutes Buch. Und hast du dir irgendwann auf halber Strecke mal gedacht: »Ach nö, ich mach’ doch keins«?
Auf viertel Strecke, auf halber Strecke und auf dreiviertel Strecke. Ich leide beim Schreiben, es ist die Hölle. Ich verfluchte es jeden Tag. Aber wenn dann ein Absatz, ein Kapitel und dann das ganze Buch fertig ist, ist das schon sehr toll.

Du bist bei »Gooool do Brasil« gleichzeitig Autor, Fotograf, Gestalter, Verleger, Marketing- und Vertriebschef … hab ich noch was vergessen? Du machst wohl gerne alles alleine.
Die verwendete Schrift im Buch ist allerdings nicht von mir. Gerne alles alleine? Jein. Sagen wir so: Das Projekt war mir einfach zu wichtig, um irgendwelche Kompromisse einzugehen. Abgesehen davon habe ich den Eindruck, dass die Verlagsbranche völlig im Eimer ist, beziehungsweise irre konservativ. Das Ganze mal unabhängig von den bescheidenen finanziellen Konditionen.

Dafür riecht jetzt deine ganze Wohnung nach Fußballbuch! Wäre mit einem Verlag undenkbar gewesen.
Wenn ein Autor nur zehn Stück vom Verlag bekommt, könnte das sehr schwierig werden. Eigentlich riecht nur frisch geschnittenes Gras besser.

Eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch ist dieses hier:

Wie ist es entstanden? Was war das für ein Tag?
Das war 2012 in Recife im Nordosten von Brasilien, beim Spiel Santa Cruz gegen Salgueiro im Estádio do Arruda, regionale Meisterschaft vom Bundesstaat Pernambuco. Muss man nicht kennen. Das Arruda ist eine alte Betonschüssel, ein reudiges Betonungeheuer, Temperatur: 40 °C, vollgepisste Aufgänge, ein echtes Juwel der 1970er-Jahre.

Kann man deine Fotos kaufen?
Ja. Es ist eine Ausstellung in Wien und Graz geplant. Einige Bilder gibt es auch in der Bilderwelt von 11 Freunde, die signierte Variante als limitierte Auflage dann aber nur persönlich.

Gab es einen schönsten Moment, der sich im Buch wiederfindet?
Die schönsten waren glaub ich immer auch die intensivsten: In der Umkleidekabine eines Amateurteams, bei den 500 Schönheitsköniginnen in Manaus, unter der Fahne von Corinthians und das Interview mit Sócrates.

»Aqui tem um Bando de Louco …« singt die »Gruppe von Verrückten« unter der Corinthians-Fahne.
Meiner Meinung nach eins der besten Videos auf Youtube. #Gänsehaut

Wenn du dir eine Begegnung irgendwo in Brasilien aussuchen könntest, bei der du live dabei sein kannst, welche wäre das?
Gilt Vergangenheit auch? Also, beim Spiel Corinthians gegen Boca Juniors, das Rückspiel im Finale der Copa Libertadores, im Juli 2012, da wäre ich schon gern dabei gewesen. Corinthians hat da zum ersten Mal die verdammte Schüssel gewonnen.

»Das beste Team der Welt«, sagen zumindest die Fans. Das gerade ein schickes großes Stadion gebaut bekommt, in dem das WM-Eröffnungsspiel stattfinden wird. Wie findest du das?
Ich bin ja ein großer Fan vom aktuellen Stadion, vom Estádio do Pacaembu. Das ist sicher nicht so schick wie das neu Itaquerão, liegt aber sehr zentral in São Paulo und ist einfach seit Jahrzehnten das »Wohnzimmer« von Corinthians. Aber wir sprechen ja von der »Copa« und hier gelten eigene Gesetze, egal ob in Südafrika oder in Brasilien. Für Romantik und Sentimentalitäten ist da nicht immer Platz.

Hast du einen Lieblingsspieler in der aktuellen Seleção?
Dante von den Bayern ist einfach ein super sympathischer Typ. Dani Alves auch. Wenn man ihn über sein Heimatteam EC Bahia sprechen hört, das ist schon sehr bewegend. Bei Paulinho von Tottenham Hotspur find ich die Karriere beeindruckend: Vor einigen Jahren noch in Litauen, Polen bzw. in den unteren Ligen von Brasilien, ist er mittlerweile ein Fixstarter im Team. Auch noch gut: Thiago Silva. Und natürlich: Ronaldinho, der in meiner aktuellen Seleção auch noch dabei wäre.

… der bei der WM 2002 im Viertelfinale gegen England dieses unglaubliche Freistoßtor geschossen hat. Im Buch schreibst du:

Auf der einen Seite ein benommener und fassungsloser David Seaman, 38 Jahre alt, auf der anderen Seite ein ewiges kleines Kind, mit neunzigminütigem Lächeln im Gesicht. Es war ein Sieg des brasilianischen Spielwitzes über die englische Korrektheit und ein Triumph der südamerikanischen Improvisation über die europäische Rationalität.

Mehr »Golaço« geht eigentlich nicht. Du meinst also, der kann das immer noch?
Klar. In der Sprache eines Trainers gesprochen: »Er kann noch immer den Unterschied ausmachen, jederzeit.« Ich wandle hier ein schönes Zitat von Nelson Rodrigues ab: »Kein Mann käme auf die Idee, die Königin von Saba oder Kleopatra im Bett nach ihrer Geburtsurkunde zu fragen. Was geht es uns an, ob Ronaldinho siebzehn oder dreihundert Jahre alt ist, wenn er das Spiel entscheidet? Wenn der Ball ihn auswählt und bevorzugt.«

Liebe, Lust und Leidenschaft. Vermisst du manchmal den Ronaldo-Fan Bruno und seine Saftbar in Rio?
Dieser Verrückte …

Ist an Wien irgendetwas brasilianisch?
Wien und São Paulo haben viel gemein. Zum Beispiel das U-Bahn-Netz ist exakt gleich lang. Krass, oder?

Mit einer Kundgebung gegen die Erhöhung der Preise in den öffentlichen Verkehrsmitteln von São Paulo gingen letztes Jahr die landesweiten Demonstrationen los. Rechnest du auch bei der Weltmeisterschaft mit Massenprotesten?
Ja. Und ich hoffe, sie bleiben friedvoll und die Polizei bzw. diverse Sondereinsatzkommandos haben aus ihren Fehlern in den Sommermonaten von 2013 gelernt. Die überzogene Polizeigewalt ist leider noch immer traurige Realität in Brasilien.

Über welchen besonderen Brasilien-Moment steht nichts im Buch?
Ich spiele ja selbst mittlerweile sehr bescheiden Futebol. Aber bei einem Spiel – eine noble private Anlage von sehr reichen Bekannten – erzielte ich drei Tore. Und das Besondere daran, das war auf einem Feld, wo bereits Careca und Maradona spielten (und vermutlich auch Tore erzielten). Amoroso war in meinem Team. Ich war selten nervöser …

Du hast neben Amoroso im Sturm gespielt?
Ich würde eher sagen, Amoroso hat neben mir gespielt.

Was kann man von den Brasilianern lernen, mal abgesehen vom Fußballspielen?
Fruchtsäfte aus Ananas und Minze machen. Dem Wort »Saudade« (Sehnsucht) zwei Millionen Bedeutungen geben. Ordentliche Menschenschlangen bilden. Saukaltes Bier trinken. Und: Umarmungen.

Brasilien wird also Weltmeister, ja?
Fix. Und zwar gegen Italien.

Da wird sich dann viel umarmt. Und was, wenn nicht?
Eine tragische Finalniederlage gegen Uruguay oder Argentinien wäre zumindest für ein weiteres Buchprojekt spannender.

Alle Fotos: Copyright © Alois Gstöttner, Club Bellevue

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Alois Gstöttner
»Gooool do Brasil – Kartografie einer nationalen Leidenschaft«
176 Seiten, 17×22 cm, 86 Abbildungen
ISBN: 978-3-200-03492-1
24 Euro

Infos und Direktbestellung
Facebook-Seite von »Gooool do Brasil«
Buch bei Amazon bestellen



11. November 2013 0

Sichersicher Schalke 04 – Werder Bremen 3:1

| Abseits

Kann ich mal in Ihren Labello gucken? …
Achtung, ich muss jetzt einmal in Ihren Hosenbund.



18. Oktober 2013 0

Rausch Tennis Borussia Berlin – Eintracht Mahlsdorf 2:1

| Ballkontakt



5. August 2013 0

LSF <3 Saarbrücken – Werder Bremen 3:1 n. V.

| Ballkontakt

Der lächelnde Robin Dutt. In die Sonne blinzelnd, die Hände locker in die Hüften gestemmt. Robin Dutt mit dem Sommergesicht, dem Es-geht-mir-gut-Ausdruck – so sehen Menschen aus, die gerade im Freibad eine Partie Beachball gespielt haben, mit Kriegsbemalung aus Sonnencreme, und sich zufrieden erschöpft aufs Handtuch sacken lassen, ein bisschen aus der Puste, aber jederzeit bereit, die schwierigste Frage des Tages zu beantworten: Nogger oder Solero?

Der entspannte Robin Dutt. Der Sommer-Dutt. »Schwimm doch noch ’ne Runde«, möchte ich ihm zurufen. »Da hinten wird’s dunkel.«



26. Januar 2013 0

| Abseits

Being Tim Wiese.



13. Januar 2013 0

Fortuna Fracksausen

| Abseits

Es ist das Sichverlieben, nicht das Verliebtsein, das ich so liebe.

An jedem Rastplatz gehalten, Kaffee geholt und nachgedacht in den letzten Wochen, mehr als sonst, über mich, mein Leben, das Schöne, Wahre, Richtige. Die richtigen Männer, die richtigen Jobs, die richtigen Freunde, die richtigen Orte, die richtigen Vereine, Projekte … Ein bisschen darüber geredet, ein bisschen darüber gelacht, ein bisschen getrunken, ein bisschen geknutscht – und dabei in einigen besonders schönen Momenten tatsächlich richtig bei mir gewesen.

Zwischendurch: richtig müde.

Weitergefahren. Überlegt, einen Fußball-Jahresrückblick zu schreiben, dann doch lieber beim Sport angemeldet. Das tolle Bild gerahmt und aufgehängt. Wundervollen Menschen begegnet. Heimlich – während ich mich übers Vorsätze-Fassen lustig gemacht habe – ein paar ziemlich schöne Vorsätze gefasst, einige davon gleich in der ersten Woche des Jahres in die Tat umgesetzt. Erstens: weniger Bier, mehr Schnaps. Zweitens: endlich mal diesen Arzttermin machen. Drittens, viertens, fünftens: Bewegung, innen/außen. Wenn möglich, Tanz. Sechstens: mir immer wieder in Erinnerung rufen, mich nicht mehr auf so mühselige Weise mit den Befindlichkeiten Ängsten anderer zu beschäftigen; oder besser: erkennen, dass es ihre sind, nicht meine. Siebtens: vertrauen, loslassen, nichts festhalten wollen, nur mich und den Moment. Achtens: heyheyhey, es gibt wieder Fußball, und Tulpen. Es ist alles da.

Never mind the darkness, baby …



16. November 2012 1

| Anstoß

Wieso gibt es überhaupt schwule Fanclubs? Ist das nicht auch eine Form der Ausgrenzung, eine Art Abgrenzung gegenüber den anderen, »normalen«, heterosexuellen Fans und Fanclubs? Wieso kann man nicht auch als Schwuler einem Fanclub beitreten, der nicht unter dem Label »schwul-lesbisch« auftritt?



27. Oktober 2012 0

Oh Reeeh, oh Reh, oh Reh, oh Reeeh

| Spielplan

Endlich steht fest, wo die Podiumsdiskussion der »Aktion Libero« am 17. November stattfindet: in der Bar Zum Scheuen Reh im Belgischen Viertel.

Ich freue mich tierisch. Auf das Reh, auf Köln, auf den Abend. Das wird super.

//    »Fußball und Homosexualität – die Rolle der Medien«
//    Diskussionsabend mit Ronny Blaschke, Dirk Leibfried, Andreas Stiene, Jan F. Orth

//    Samstag, 17. November 2012, Beginn 19 Uhr
//    Musikclub Zum Scheuen Reh, Hans-Böckler-Platz 2, 50672 Köln (Bahnhof West)

Es wäre toll, wenn ihr kommen oder Menschen in und um Köln von der Veranstaltung erzählen könntet. Zum Facebook-Event geht es hier entlang.



20. Oktober 2012 0

| Ballkontakt

Zlatan Arnautovic.



16. September 2012 0

Am Zaun Tennis Borussia Berlin – TSV Rudow 3:0

| Abseits




14. September 2012 1

Reminder

| Abseits

Es geht nicht um Philipp Köster. Es geht nicht um die 11 Freunde. Es geht nicht um Adrian Bechtold. Es geht nicht um den Fluter. Es geht nicht um die »Aktion Libero«. Es geht nicht um die »Fußballfans gegen Homophobie«. Es geht nicht um Twitter. Es geht nicht um Facebook. Es geht nicht um Blogs. Es geht nicht um Kommentare. Es geht nicht um dich. Es geht nicht um mich. Aber es geht uns was an. Es geht nicht um Profilierung. Es geht nicht um Meinung. Es geht um Haltung. Es geht darum, dass sich homosexuelle Fußballer(innen) nicht mehr verstecken müssen. Darum geht es.



4. September 2012 1

Das Derby Union Berlin – Hertha BSC 1:2

| Ballkontakt

Die Vorfreude. Die Aggression. Die Polizei. Die Sonne. Das Gastfarbenverbot. Das Bier. Der Nazi. Die Blicke. Der Kuss. Der Gesang. Der Jubel. Der versteckte Jubel. Der Freistoß. Das Glück. Die Geräuschkulisse. Das Befremden. Die Stille. Die Sehnsucht. Die Vorfreude.






1. September 2012 0

I like the way this is going Werder Bremen – Hamburger SV 2:0

| Ballkontakt
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Das beinahe Schönste am Fußball ist, dass selten das passiert, was vorgesehen war, und dass selten die recht haben, die meinen, dass sie recht haben müssten, schon von Berufs wegen oder weil sie Checkertypen sind oder mal Kloppo die Hand geschüttelt haben. Mit anderen Worten: Ignoriert die dicken Hosen. Vergesst eure Erwartungen, vergesst eure Wünsche, vergesst euch, das Spiel geht los. Alles, was währenddessen passiert, ist nüchtern betrachtet von einer derart überwältigenden Irrelevanz, dass sich wer allerorten Relevanz und Gewicht gewohnt ist zwangsläufig locker machen muss. Frei. Leicht. Das ist wunderschön.

Es gibt keinen Plan und keine Alternativen. Es geht immer nur nach vorn, man beobachtet, man brüllt und singt. Man haut Sachen raus, die einem am nächsten Tag peinlich sind und manchmal auch noch im nächsten Jahr. Man zittert und zappelt und schweigt, bis man nicht mehr kann. Man glaubt an alles, an nichts mehr. Fest. Man lässt sich überraschen und überrascht sich selbst. Man applaudiert, hüpft. Man hält Botschaften in die Höhe, für andere, für sich. Man macht Fotos, von sich, für andere. Man ist glücklich, wagemutig. Man heult. Man redet wirr, auch noch Stunden später.

~~~

Werder hat das Nordderby gewonnen. Ich hatte einen beschwipsten Tag. Mit Nudeln, Kuchen, Kaffee und ein bisschen Sonne. Feiertag. Bei Werder* scheint gerade ziemlich viel zu stimmen. Bei mir auch.

* Beim #tpber habe ich neulich etwas vorschnell behauptet, ich würde Werder am Ende der Saison auf dem fünften Tabellenplatz sehen. Gelächter. Inzwischen habe ich noch mal topcheckermäßig in mich hineingehorcht und muss mich korrigieren. Ich bin sicher, Werder wird Meister. (Muaaahahaha.) Mindestens.



19. August 2012 1

Follow

| Abseits

Zum ersten Mal bin ich stolze Besitzerin einer Dauerkarte – TeBe natürlich. Zwar besteht diese »Dauerkarte« aus einem dicken Stapel papierener Einzeltickets, aber das ändert wenig am Gefühl – was zählt, ist dieser große Moment, in dem du zu der Dame im Kassenhäuschen sagst: »Ich hätte gerne eine Dauerkarte, bitte.« Bääääääm. Dauer-Karte. Ich mag es, wenn etwas dauert. Und irgendwie gefällt mir auch dieser gewichtige Kartenstapel in meiner Tasche. Dazu passt: mein neuer Lieblingsfangesang.

I, I follow, I follow you, love you TeBe, I follow you …

Ich war sehr gespannt auf den Saisonbeginn, denn ich fragte mich ernsthaft, ob meine Lust wohl zurückkehren würde. Das erschien mir alles andere als selbstverständlich. Es hatte sich mal wieder was verändert, ist ja alles ständig in Veränderung befindlich, immer in Bewegung, und irgendwo muss man nun mal stehen bleiben und sich festhalten, doch meine Position war mir während dieser gesamten langen Pause merkwürdig unklar geblieben. Lasst mich in Ruhe mit Fußball, nein, ich will kein Testspiel gucken, nein, ich weiß nicht, wie der neue Kader aussieht, nein, ich habe auch keine Ahnung, wer aufgestiegen ist. Das fand ich nicht schlimm, aber schon ein bisschen eigenartig.

Und dann ist er da, der Saisonauftakt, und ich mache mich auf den Weg ins Stadion, bin in minütlichem Wechsel hibbelig und zenmäßig tiefenentspannt, ungefähr wie vor der neuerlichen Verabredung mit einem aufregenden Mann, mit dem mich vor längerer Zeit mal eine kurze Geschichte verband und den ich seitdem nicht mehr wiedergesehen habe. Ich erinnere mich zwar an Zustände und Gefühle, aber die sind nicht mehr richtig greifbar. Was also, wenn die Faszination mit einem Mal weg ist und man beginnt, sich über das Wetter zu unterhalten? Oder über die Hertha.

Und während ich auf den Stufen sitze und die Aufwärmrituale beobachte, ist es plötzlich da: dieses Knistern. Die Hibbeligkeit, die Ungewissheit und das Desinteresse der letzten Wochen haben sich in ein Geräusch verwandelt. Ein Sommergeräusch. Alles um mich herum knistert leise mit, da ist nichts, was man einander fragen müsste, höchstens, ob es was Neues im Fanshop gibt.

Ja, verdammt noch mal, I follow you.
Und du riechst immer noch so gut wie neulich.