Being Tim Wiese.
Fortuna Fracksausen
stefanie | AbseitsEs ist das Sichverlieben, nicht das Verliebtsein, das ich so liebe.

An jedem Rastplatz gehalten, Kaffee geholt und nachgedacht in den letzten Wochen, mehr als sonst, über mich, mein Leben, das Schöne, Wahre, Richtige. Die richtigen Männer, die richtigen Jobs, die richtigen Freunde, die richtigen Orte, die richtigen Vereine, Projekte … Ein bisschen darüber geredet, ein bisschen darüber gelacht, ein bisschen getrunken, ein bisschen geknutscht – und dabei in einigen besonders schönen Momenten tatsächlich richtig bei mir gewesen.
Zwischendurch: richtig müde.
Weitergefahren. Überlegt, einen Fußball-Jahresrückblick zu schreiben, dann doch lieber beim Sport angemeldet. Das tolle Bild gerahmt und aufgehängt. Wundervollen Menschen begegnet. Heimlich – während ich mich übers Vorsätze-Fassen lustig gemacht habe – ein paar ziemlich schöne Vorsätze gefasst, einige davon gleich in der ersten Woche des Jahres in die Tat umgesetzt. Erstens: weniger Bier, mehr Schnaps. Zweitens: endlich mal diesen Arzttermin machen. Drittens, viertens, fünftens: Bewegung, innen/außen. Wenn möglich, Tanz. Sechstens: mir immer wieder in Erinnerung rufen, mich nicht mehr auf so mühselige Weise mit den Befindlichkeiten Ängsten anderer zu beschäftigen; oder besser: erkennen, dass es ihre sind, nicht meine. Siebtens: vertrauen, loslassen, nichts festhalten wollen, nur mich und den Moment. Achtens: heyheyhey, es gibt wieder Fußball, und Tulpen. Es ist alles da.

Oh Reeeh, oh Reh, oh Reh, oh Reeeh
stefanie | SpielplanEndlich steht fest, wo die Podiumsdiskussion der »Aktion Libero« am 17. November stattfindet: in der Bar Zum Scheuen Reh im Belgischen Viertel.
Ich freue mich tierisch. Auf das Reh, auf Köln, auf den Abend. Das wird super.
// »Fußball und Homosexualität – die Rolle der Medien«
// Diskussionsabend mit Ronny Blaschke, Dirk Leibfried, Andreas Stiene, Jan F. Orth
// Samstag, 17. November 2012, Beginn 19 Uhr
// Musikclub Zum Scheuen Reh, Hans-Böckler-Platz 2, 50672 Köln (Bahnhof West)
Es wäre toll, wenn ihr kommen oder Menschen in und um Köln von der Veranstaltung erzählen könntet. Zum Facebook-Event geht es hier entlang.
Reminder
stefanie | AbseitsEs geht nicht um Philipp Köster. Es geht nicht um die 11 Freunde. Es geht nicht um Adrian Bechtold. Es geht nicht um den Fluter. Es geht nicht um die »Aktion Libero«. Es geht nicht um die »Fußballfans gegen Homophobie«. Es geht nicht um Twitter. Es geht nicht um Facebook. Es geht nicht um Blogs. Es geht nicht um Kommentare. Es geht nicht um dich. Es geht nicht um mich. Aber es geht uns was an. Es geht nicht um Profilierung. Es geht nicht um Meinung. Es geht um Haltung. Es geht darum, dass sich homosexuelle Fußballer(innen) nicht mehr verstecken müssen. Darum geht es.
Das Derby Union Berlin – Hertha BSC 1:2
stefanie | Ballkontakt
Die Vorfreude. Die Aggression. Die Polizei. Die Sonne. Das Gastfarbenverbot. Das Bier. Der Nazi. Die Blicke. Der Kuss. Der Gesang. Der Jubel. Der versteckte Jubel. Der Freistoß. Das Glück. Die Geräuschkulisse. Das Befremden. Die Stille. Die Sehnsucht. Die Vorfreude.

I like the way this is going Werder Bremen – Hamburger SV 2:0
stefanie | BallkontaktDas beinahe Schönste am Fußball ist, dass selten das passiert, was vorgesehen war, und dass selten die recht haben, die meinen, dass sie recht haben müssten, schon von Berufs wegen oder weil sie Checkertypen sind oder mal Kloppo die Hand geschüttelt haben. Mit anderen Worten: Ignoriert die dicken Hosen. Vergesst eure Erwartungen, vergesst eure Wünsche, vergesst euch, das Spiel geht los. Alles, was währenddessen passiert, ist nüchtern betrachtet von einer derart überwältigenden Irrelevanz, dass sich wer allerorten Relevanz und Gewicht gewohnt ist zwangsläufig locker machen muss. Frei. Leicht. Das ist wunderschön.

Es gibt keinen Plan und keine Alternativen. Es geht immer nur nach vorn, man beobachtet, man brüllt und singt. Man haut Sachen raus, die einem am nächsten Tag peinlich sind und manchmal auch noch im nächsten Jahr. Man zittert und zappelt und schweigt, bis man nicht mehr kann. Man glaubt an alles, an nichts mehr. Fest. Man lässt sich überraschen und überrascht sich selbst. Man applaudiert, hüpft. Man hält Botschaften in die Höhe, für andere, für sich. Man macht Fotos, von sich, für andere. Man ist glücklich, wagemutig. Man heult. Man redet wirr, auch noch Stunden später.
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Werder hat das Nordderby gewonnen. Ich hatte einen beschwipsten Tag. Mit Nudeln, Kuchen, Kaffee und ein bisschen Sonne. Feiertag. Bei Werder* scheint gerade ziemlich viel zu stimmen. Bei mir auch.
* Beim #tpber habe ich neulich etwas vorschnell behauptet, ich würde Werder am Ende der Saison auf dem fünften Tabellenplatz sehen. Gelächter. Inzwischen habe ich noch mal topcheckermäßig in mich hineingehorcht und muss mich korrigieren. Ich bin sicher, Werder wird Meister. (Muaaahahaha.) Mindestens.
Follow
stefanie | AbseitsZum ersten Mal bin ich stolze Besitzerin einer Dauerkarte – TeBe natürlich. Zwar besteht diese »Dauerkarte« aus einem dicken Stapel papierener Einzeltickets, aber das ändert wenig am Gefühl – was zählt, ist dieser große Moment, in dem du zu der Dame im Kassenhäuschen sagst: »Ich hätte gerne eine Dauerkarte, bitte.« Bääääääm. Dauer-Karte. Ich mag es, wenn etwas dauert. Und irgendwie gefällt mir auch dieser gewichtige Kartenstapel in meiner Tasche. Dazu passt: mein neuer Lieblingsfangesang.
I, I follow, I follow you, love you TeBe, I follow you …
Ich war sehr gespannt auf den Saisonbeginn, denn ich fragte mich ernsthaft, ob meine Lust wohl zurückkehren würde. Das erschien mir alles andere als selbstverständlich. Es hatte sich mal wieder was verändert, ist ja alles ständig in Veränderung befindlich, immer in Bewegung, und irgendwo muss man nun mal stehen bleiben und sich festhalten, doch meine Position war mir während dieser gesamten langen Pause merkwürdig unklar geblieben. Lasst mich in Ruhe mit Fußball, nein, ich will kein Testspiel gucken, nein, ich weiß nicht, wie der neue Kader aussieht, nein, ich habe auch keine Ahnung, wer aufgestiegen ist. Das fand ich nicht schlimm, aber schon ein bisschen eigenartig.
Und dann ist er da, der Saisonauftakt, und ich mache mich auf den Weg ins Stadion, bin in minütlichem Wechsel hibbelig und zenmäßig tiefenentspannt, ungefähr wie vor der neuerlichen Verabredung mit einem aufregenden Mann, mit dem mich vor längerer Zeit mal eine kurze Geschichte verband und den ich seitdem nicht mehr wiedergesehen habe. Ich erinnere mich zwar an Zustände und Gefühle, aber die sind nicht mehr richtig greifbar. Was also, wenn die Faszination mit einem Mal weg ist und man beginnt, sich über das Wetter zu unterhalten? Oder über die Hertha.
Und während ich auf den Stufen sitze und die Aufwärmrituale beobachte, ist es plötzlich da: dieses Knistern. Die Hibbeligkeit, die Ungewissheit und das Desinteresse der letzten Wochen haben sich in ein Geräusch verwandelt. Ein Sommergeräusch. Alles um mich herum knistert leise mit, da ist nichts, was man einander fragen müsste, höchstens, ob es was Neues im Fanshop gibt.
Ja, verdammt noch mal, I follow you.
Und du riechst immer noch so gut wie neulich.
Schland unter
stefanie | Abseits
Es gibt Worte, die ich besonders gerne benutze. Konfetti, ach, verliebt, yeah. Es gibt Sachen, die ich besonders gerne esse. Bratwurst, Clafoutis. Es gibt Fußballer, denen ich bei dieser Europameisterschaft besonders gerne zusehe. Boateng, ?ech, Mellberg (seufz). Es gibt Dinge, die für mich in Verbindung mit Fußball im Mittelpunkt stehen. Respekt, Emotion, Fairplay. Und es gibt so Sachen, die sind mir völlig schnuppe. Das mit den Fähnchen zum Beispiel.
Ich traue mich ja kaum, es zu sagen, aber mich interessiert die aktuell zur Schau getragene Schwarzrotgoldigkeit vieler deutscher Fußballfans nicht die Bohne. Sollen sie sich doch in Fahnen hüllen, sich kreischend und mit bemalten Wangen zuprosten, ihre Autos bis zum Gehtnichtmehr beflaggen, aus Schland-Kaffeebechern trinken – wenn es ihnen Spaß macht, bitte schön, ich habe nichts dagegen. Für mich ist das nichts, ich mache da nicht mit – und möchte für meine Haltung ebensowenig scheiße gefunden werden –, ich gehe auf keine Fanmeile und brauche auch keinen Fußballstrand. Aber dass es mich aufregt, wenn das jemand anders handhabt, kann ich wirklich nicht behaupten. Ich rege mich über ganz andere Sachen auf: über Intoleranz, Aggressivität und Häme zum Beispiel, mit und ohne Fähnchen. Und über all die Regelnaufsteller, die hinter jedem Wimpel eine niederträchtige Botschaft wittern. Die in einem bemerkenswerten Entrüstungsreflex »Partynationalismus« diagnostizieren, sobald ihnen so ein Flaggenmensch begegnet. Die Fähnchen abknicken, Zettel mit oberlehrerhaften Botschaften an Autodächern hinterlassen und damit weit übers Ziel hinausschießen. Die Männern sagen, dass sie sich zu rasieren haben, um kein falsches Signal zu setzen. Die auf »Eventfans« schimpfen und sich für die besseren, die wahren Fans halten, nur weil sie sich auch abseits von Großveranstaltungen für Fußball interessieren – wie arrogant ist das denn bitte? Die sich – als hätten sie zwei Jahre nur darauf gewartet – voller Inbrunst bei jeder TV-Übertragung über Kommentatoren- und Moderatorenleistungen und in Kameras winkende Fans auslassen, sich dabei auch noch unterhaltsam finden und dem geneigten Zuschauer damit weit mehr auf den Keks gehen als die Gescholtenen selbst. Mir zumindest. Ich finde das alles in kaum mehr erträglichem Maße überheblich und in der Summe anstrengender als das taumelnde Karnevalsvolk.
Mag sein, dass ich da ein entscheidendes Detail übersehen habe, aber für mich fühlt sich Deutschland in diesen Tagen an wie eine einzige Richtigmacherdoku: auf der einen Seite die, die einfach alles, was da ist, in die Pfanne schmeißen, mit viel Ketchup druff, jippie – auf der anderen Seite jene, die all den »Ahnungslosen« in bester Fernsehkochmanier mit erhobenem Kochlöffel demonstrieren, wie Bratkartoffeln wirklich gehen. Nee, echt, kein Interesse, ich hab schon gegessen – und jetzt möchte ich gerne Fußball gucken.
Days, nights
stefanie | SpielplanAls Jugendlicher galt Martin Bengtsson als eines der größten schwedischen Fußballtalente. Mit 18 schnitt er sich die Pulsadern auf. Mit 19 begann er ein Buch zu schreiben. Heute ist er 26, lebt als Künstler in Berlin, macht Musik und beschäftigt sich kaum noch mit Fußball.
Das Magazin 11 Freunde widmet sich Martin Bengtsson und seiner nun auch in der deutschen Übersetzung vorliegenden Geschichte »Freistoß ins Leben« in einer Videodoku und einem sehr lesenswerten Text: »Das Leben des Anderen«.
Eine schöne Geschichte
stefanie | Spielplan»Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um so was zu machen«, sagt T. kopfschüttelnd, ich nicke. Oder es sehr lieben. Und da Liebe und Beklopptsein ja für gewöhnlich deckungsgleich sind, wundert mich nichts. Schon gar nicht bei TeBe.
T.s anerkennendes Kopfschütteln gilt Jan. Fast zwei Stunden haben wir im »Casino« gesessen und ihm zugehört.* Das »Casino« ist diese mit lauter sportlichen Devotionalien dekorierte Kneipe Zeitmaschine im Mommsenstadion, in der nahezu alles aus Holz oder Bier oder aprikosenfarben ist. Jan ist Historiker. Und TeBe-Fan, seit wann? »Seit dem Relegationshinspiel 1998 um den Aufstieg in die zweite Bundesliga gegen Hannover 96.« Okay, die Frage war zugegebenermaßen nur so halbschwer, aber ich vermute, Jan hätte auch, weckte man ihn nachts um halb drei, die Schuhgröße von Sepp Herberger, das Torverhältnis der Veilchen in der Saison 1927/28 und das Geburtsdatum von Albert Eschenlohr parat. Bei den Vorbereitungen zur Festschrift anlässlich des 100. Geburtstags von Tennis Borussia Berlin vor zehn Jahren war ihm aufgefallen, dass bedauerlicherweise nur wenige Fotos aus der Gründungszeit des Vereins existierten. Also begann er zu recherchieren, zu suchen, zu sammeln. Und er begann zu schreiben. Das Ergebnis stellte er in dieser Woche im Mommsenstadion vor: TeBe-Geschichten.
Wer jetzt denkt: Gut, da ist so ein Typ, der hat sonst nichts zu tun und mal lauter Statistiken von irgendwann damals zusammengetragen … wie nett, dass das mal jemand macht … so … noch ’n Bier, bitte – wer das denkt, ist doof. Und irrt. Jan Buschbom hat nicht nur Zeit und Geld investiert, um Zahlen und Bilder zu sammeln, sondern war auch neugierig auf die dazugehörigen Geschichten. Um sie mit anderen teilen zu können und nicht wieder zu vergessen, schrieb er sie auf, eingebettet in den historischen Kontext, die sportliche und politische Stimmung im Verein und darüber hinaus.
Gemeinsam mit Daniel Sterl, der für das Layout und die technische Umsetzung verantwortlich ist, entwickelte er vor etwa zweieinhalb Jahren ein Konzept für diese außergewöhnliche Online-Vereinschronik und schrieb erste kleine Texte, gespickt mit Zitaten aus alten Dokumenten. Seine Quellen waren vor allem die Vereinszeitungen – damals war es übrigens noch Aufgabe des Trainers, kurze Spielberichte zu verfassen –, doch er durchstöberte auch die Archive von kicker, Fußball-Woche, der Vossischen Zeitung oder dem Berliner Tageblatt. Mit Unterstützung von TeBe-Vorstand Roland Weißbarth, der die Rubrik Gegner mit Informationen bestückte, entstand eine einzigartige Sammlung von Anekdoten und Fundstücken, eine wertvolle Erinnerungsbibliothek, die mithilfe der engagierten Fan- und Verliebtenszene des Vereins weiter wachsen soll. Denn bisher werden vor allem Geschichten aus den ersten 30, 40 Jahren nach der Gründung der Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft im Jahre 1902 erzählt.
Nach meiner Rückkehr aus dem »Casino« beginne ich zu lesen und kann gar nicht mehr aufhören. Mir gefällt diese Sprache, diese beiden Sprachen – die von damals und die von Jan –, die auf mich wie Geschwister wirken, die sich gut kennen und einander sehr mögen.
Um sich selbst und zugleich dem Verein ein kleines Geschenk zu machen, kann man übrigens einen Teil der alten Bilder käuflich erwerben, als Poster, als Kunstdrucke, als Postkarten. Das finde ich ganz wunderbar, auch wenn es bedeutet, dass ich mich entscheiden muss, und das fällt mir angesichts der Auswahl schwer. Am liebsten hätte ich alle. … Ja, man muss bekloppt sein. Nicht nur ein bisschen.
Fotos: Copyright © Archiv Buschbom
* Ihm und Christian, Autor des Buches Rasen der Leidenschaften, der uns im Rahmen des Geschichtsabends Fotos von den ehemaligen Spielstätten der Tennis-Borussen gezeigt hat. Und dass Christian hier nur klein und grau auftaucht, sagt natürlich nichts über die Qualität seines großartigen Buches aus.
All you need is love
stefanie | Abseits… fußballtypisches Verhalten: Schals, Mützen, Trikots,
lauter Gesang, rüpelhaftes Verhalten.

Grüntöne
stefanie | SpielplanEveryone knows Ireland don’t have the most gifted of squads at the championships but no team will match them for passion, dedication and the will to win. This album is dedicated to their efforts.
Sing Up For The Boys In Green – elf teils fantastische Songs für und über die irische Fußballnationalmannschaft, gespielt von elf Bands, gesammelt vom Label Indiecater Records. Sofort bin ich ein bisschen verliebt … Fan … verliebt, and all the world is green, und sofort wünsche ich mir so etwas Schönes auch für die deutsche Elf (GHVC, bitte übernehmen Sie), und im nächsten Moment spüre ich, dass es besser wäre, dieser Wunsch bliebe Wunsch und grün hinter den Ohren for ever.








