Kategorie Abseits

21. September 2011 9

Oder Hörnchen

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dieses Ding mit den zwei Hörnern (Fußball.)

Über Fußball haben wir uns nur am Rande unterhalten, eigentlich ging es ja vor allem um Gentrifizierung, denn das ist das Thema, mit dem sich das Blog hausbesuchwins von rotkapi hauptsächlich beschäftigt, der rote Faden also. Doch in vielem, das bemerkte ich später, sind sich Gentrifizierung und Fußball gar nicht so unähnlich. Die Skepsis einer wie auch immer gearteten Entwicklung gegenüber, das vehemente Parteiergreifen, das bisweilen Bärbeißige, die Verdrängung, die viele Statistik (seufz) …

rotkapi ist mutig. Nein, gar nicht wahr: Diese Frau ist der Hammer. Die traut sich gewiss auch mit BVB-Trikot in die Schalker Nordkurve. Und mit Gebäck. Innerhalb von 200 Tagen besucht sie nämlich spontan und »ungebeten« 200 fremde Menschen im Winsviertel – junge und alte, nette und doofe distanzierte, neue und schon immer dagewesene –, um mit ihnen Kuchen zu futtern, Kaffee zu trinken und über das Leben im Prenzlauer Berg zu plaudern. Darüber schreibt sie dann in ihrem Blog.

Ich finde das schwer beeindruckend. All die Disziplin, das Wohlwollen und die Wachheit, die es dafür braucht. All die Geschichten in Kopf und Herz. Respekt! Aber wieso macht sie so was? Neugier, unter anderem, und eine Wette, na klar. Eine ordentliche Wette, puh, und eine besonders originelle. Zur Halbzeit, erzählt rotkapi, gibt es vielleicht ein Fest. Als Motivation, als Meilenstein und als Stärkung für die zweite Hälfte, »mal schauen«.

Go, rotkapi! Du schaffst das! Und für die Nachspielzeit – wirst schon sehen – back ich dir einen Fußballkuchen. Mit Zuckerguss und Werder-Fähnchen. Kiezübergreifend lecker.



12. September 2011 0

Einer wie Heiner

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Copyright © Foto: SV Werder Bremen; Montage: Stefanie Barthold



7. September 2011 0

Geschmacksverstärker

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Schmeckt es euch? Natürlich schmeckt es euch. Schließlich habe ich den ganzen Tag für euch in der Küche gestanden.*

Fußballer, die davon ausgehen, dass »die Zuschauer« automatisch »ein schönes Spiel« sehen und glücklich und zufrieden sind, solange es nur »immer hin und her« geht, sind mir suspekt. So ein Unsinn. Bei einer Fehlpassquote von – was weiß ich – 80 Prozent geht es auch immer hin und her, und dennoch liegt das Resultat nicht nur Gourmets schwer im Magen, behaupte ich mal.

Ich lese das nun zum wiederholten Male (auch heute wieder, hier) und verstehe es nicht. Ein merkwürdiges Selbstbild, das hinter einer solchen Aussage steckt. Ich als Zuschauer fühle mich nicht angesprochen. Diesen Zusammenhang herzustellen zwischen Quantität und Qualität, finde ich schwer nachvollziehbar und irgendwie unprofessionell, ja, sogar ein bisschen beleidigend.

* Irgendeine Omma, die es immer nur gut mit allen meinte.



3. September 2011 3

Im Grünen Union Berlin – Werder Bremen 2:2

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Da stehen wir nun, mitten im Wald. Vormittags hatte ich angesichts des herrlichen Wetters noch in Erwägung gezogen, mit dem Fahrrad zum Spiel zu fahren, aber das hier, das ist ja noch viel abenteuerlicher. Wir waren uns irgendwie sicher, dass es okay sein würde, hier aus der S-Bahn zu steigen, aber auf einmal ist da nur diese lange, zweispurige, recht ordentlich befahrene Straße ohne Fußgängerweg – und links und rechts Wald. Ein leiser Zweifel. Hm. Okay, also erst ein paar Schritte Gefahr am Straßenrand, dann nix wie ab in den Wald. Wird schon richtig sein, das Stadion ist doch … ähm … ganz in der Nähe … eigentlich … oder?

Wald halt. Pure Idylle. Ein Trampelpfad, Wurzeln, duftendes Grün, Stille, keine Menschenseele in Sicht, nur zwei junge Frauen, die zum Fußball wollen und froh sind, bequemes Schuhwerk zu tragen. Wir lachen, weil wir uns Hunderte Union-Fans vorstellen, die in voller Fanmontur diesen verwunschenen Weg hier entlangtrotten, so Sieben-Zwerge-mäßig in langer Reihe, denn ein Nebeneinander lässt der Weg kaum zu. Hei-ho, hei-ho. Und wenn dann mal Dresden kommt oder so, dann muss doch auch die Polizei mit denen hier lang. Ha ha! Uns schwebt da eine erstklassige Fotostrecke vor, wir stapfen weiter. Sind jetzt schon total in Fußballstimmung. Aber irgendwie zieht sich das hier. Hätten vielleicht doch mit der Parkeisenbahn fahren sollen, mit der blauen Lok Gunther, dann wären wir sicher längst da. Na ja, es ist noch viel Zeit bis zum Anpfiff, und außerdem scheint die Sonne. Ich hab einen Ohrwurm von diesem schrecklichen Sieben-Zwerge-Lied.

Plötzlich, sieh mal, ein Mensch! Es ist ein langhaariger Eisern-Union-Ordner, der sich freut, uns zu sehen. »Jo, immer geradeaus, immer weiter, dit is schon korrekt.« Erleichterung. Dann Grillgeruch, Musik, mehr Menschen, ein grüner Bus, rotweiße Schals. Hurra, wir sind richtig. Haben wir doch gleich gewusst.

[Das war ein sehr schöner Nachmittag in der Alten Försterei. Werder hat zwar nicht gerade geglänzt – in der ersten Hälfte ging’s noch, zwei »Rosmarintore« –, aber ich habe mich ein bisschen in das Stadion und die Union-Fans verguckt. Wie die singen! Werde das weiter verfolgen, den Weg kenn ich ja jetzt. Vielleicht fahre ich aber auch demnächst mal eine Station weiter. Nur so, um mal zu gucken.]



1. September 2011 10

Mein Herz so schwarz-weiß

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So. Habe mal ein paar Jahre darüber nachgedacht, ob es stimmt, dass einem die Liebe verloren geht, wenn man beginnt, sich intensiv mit ihr (bzw. dem, was man liebt) zu beschäftigen. »Professionell«, schriftlich, regelmäßig, öffentlich, eventuell auch für Geld. Ich war mir lange Zeit nicht sicher, aber ich nahm die Sache ernst, wollte da kein Risiko eingehen. Ist es wirklich so, dass der Zauber verschwindet?

Kann sein.
Glaub ich aber nicht.

Neulich habe ich eines dieser Expertenbücher gelesen, in denen dazu geraten wird, stets seinen Leidenschaften nachzugehen, also auch beruflich, nach dem Motto: »Nimm das, was dir wirklich wichtig ist, als Gradmesser, als Ausgangspunkt und Ziel. Verfolge das, was du liebst. Es wird dich nicht nur glücklich, sondern auch erfolgreich machen.« Das Erste, was ich beim Lesen dieser Zeilen dachte, war: Könnte vielleicht auch mal jemand erwähnen – obwohl es unpopulär ist und spielverderbermäßig rüberkommt –, dass man sich seine Liebe auch ordentlich versauen kann, indem man beispielsweise versucht, einen Beruf daraus zu machen, oder sich Regelmäßigkeit vornimmt, sie zum Projekt ernennt? Sollte man sich nicht vielmehr auf das fokussieren, was man gut kann, und das, was man liebt, besser in Ruhe und sich selbst genug sein lassen?

Nö.
Grundsätzlich schließen sich Lieben, Wollen und Können ja erst mal nicht aus. Idealerweise ergänzen sie sich sogar. (Ach was.)

Das mit mir und Fußball, das ist schon lange was Seriöses und geht nicht so schnell verschütt. Aber gelegentlich gilt es zu kämpfen, wie so oft – nicht so einen entbehrungsreichen, aufopferungsvollen Blödsinnskampf, der zu nichts führt und unglücklich macht, sondern einen, mit dem es einem vorwiegend gut geht, der zwar mitunter anstrengend ist, aber auch Kraft gibt. Die Liebe vor den Fouls des Alltags beschützen. Sie nicht verleugnen. Um sie wissen, auch wenn sie sich gerade mal versteckt. Sich für sie einsetzen. All das ist nicht so leicht, dazu braucht es Eier Mut, einen klaren Blick, ein halbwegs intaktes Herz-Kreislauf-System und ein bisschen Glück. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich Fehler zu verzeihen, das Unentschieden auszuhalten. Und manchmal muss man auch mal alleine durchgehen und in Kauf nehmen, sich zu verdribbeln.

(So. Pathosendspurt.)

Ich liebe Fußball. Ich liebe dieses Weblog. Und jetzt bin ich aufgeregt, mir ist warm, ich hab Puls. Und Lust, wieder häufiger Liebesbriefe zu schreiben. Lange, kurze, kryptische, kitschige, unrunde. Einige werde ich zigmal verwerfen und von Neuem beginnen, so wie diesen hier, andere nie abschicken, aber das macht ja nichts. So ist das eben manchmal mit der Liebe.



17. August 2011 0

Vom Fanwerden und -sein

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»Ich bin richtig heiser vom Schreiben«, sagt er nachher, als ich ihn zu seinem Mut beglückwünsche, und tatsächlich klingt er atemlos wie nach 90 Minuten plus Nachspielzeit. So* zu schreiben – ganz offensiv, alle Mann nach vorn, ohne Torwart im Rücken, nur mit einem Gefühl im Bauch, Bildern im Kopf und dem Herz in der Hand, dem Wunsch, mehr darüber zu erfahren, im Schreiben etwas wachsen zu sehen, innen und außen, live und öffentlich, auch auf die Gefahr hin, dass der Versuch scheitert und die Fragen bleiben, Ende offen und vielleicht lacht jemand –, das muss man sich erst mal trauen. Das Resultat ist ein Text, der sich erst wand, dann wandte und schließlich fügte. Wow. Ich bin richtig heiser vom Mitlesen.

* »Dieser Text ist gerade in seiner Entstehung begriffen, du kannst zuschauen, er wird konstant aktualisiert.« Dieser Hinweis stand dort, als der Text noch Entwurf und im Werden war.



15. August 2011 0

Das Erleben der anderen

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Je mehr Menschen ich kenne, die für unterschiedliche Vereine mitfiebern, desto interessanter finde ich es, Spiele dieser Mannschaften zu verfolgen. Zwar ist ein rein sportliches, fußballerisches Interesse ohnehin vorhanden, aber mir gefällt auch, was das Wissen um die Leidenschaftsverteilung der anderen mit mir macht.

In meiner Vorstellung werfen einige von ihnen Bierbecher. Andere lächeln. Wieder andere springen auf und tanzen um den Tisch. Manche zuppeln nervös an ihrem Bart. Ein Tor fällt und ich denke: Ach, jetzt freut sich der Soundso. Oder: Oh nein, XY hat gerade einen richtigen Scheißabend … Hoffentlich hat er Bier da. Oder auch: Na los, jetzt noch ein Treffer für Hmhmhm. Und ich muss grinsen, wenn ich beim Blick auf die Kicktipps den Verdacht habe, dass ein Resultat mehr Herzenswunsch als echte Prognose ist.

Ob ich diese Leute nun persönlich kenne, ob ich »nur« ihre Blogs lese oder sie und ihre Vereinslieben mir aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben sind – dieses Miterleben, sei es auch nur imaginärer Natur, ist ziemlich schön.



15. August 2011 1

Stilfrage Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

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Dutt

Trendfrisur. Foto: Copyright © illleeeegal, photocase.com

»Ich habe es perfekt gemacht«, soll Dutt in der Pressekonferenz die Einwechslung von Rolfes kommentiert haben. Ist der noch zu retten? Na klar, durch die Meisterschaft. Aber wer weiß, vielleicht trägt Leverkusen das Haar bis dahin lieber wieder offen.

[Für einen ganz kurzen Moment so ein Was-wäre-wenn-Gefühl: In Wirklichkeit ist er bestimmt gar nicht arrogant. Gebt dem Mann doch mal Zeit. Und Chancen. Das ist doch gemein, alle hacken auf dem rum. Dabei ist der ganz gewiss nicht so selbstverliebt, wie er rüberkommt, sondern bloß etwas echauffiert, genau wie i… Ach nee, schon gut.]



15. August 2011 0

Heimhoffen

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Natürlich ist die zunehmende Kommerzialisierung … nicht unbedingt begrüßenswert, sie nimmt aber trotzdem eigentlich nichts vom Spiel weg.

Trainer Baade sagt eine Menge wahrer Sachen in diesem Gespräch mit DRadio Wissen und wirkt dabei derart entspannt und souverän, als würde er den ganzen Tag nichts anderes machen als im Radio über Fußball reden. Ich könnte ihm noch stundenlang zuhören. Guter Mann, der Trainer.



30. August 2009 0

Plan B

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Nicht die Mannschaft würde ich im Falle eines Berliner Abstiegs vermissen, auch nicht die Fans, die Gesänge, das Blau und Weiß, die Bratwurst, den Trainer … na ja … den vielleicht ein bisschen – aber fehlen würden mir so wunderbare Tage wie der heutige, mein Lieblingsverein in meiner Stadt … mein Fußballhighlight des Jahres, sozusagen. Davon hätte ich eigentlich gerne viel mehr! Angesichts des besorgniserregenden Zustands der Hertha befürchte ich allerdings das Schlimmste.

Ich brauche also einen Zweitwohnsitz. In Bremen.
Vielleicht hat der Frings ja Lust auf ’ne WG.



4. August 2009 0

#2

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Stiftung Wadentest



29. Juni 2009 0

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Das Jahr der ungesehenen Endspiele.



7. September 2008 0

Delay

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Eine spät entdeckte Empfehlung.*

Was Fußball angeht, fühle ich mich seit langer Zeit verlangsamt. Untrainiert, abschlussschwach, entschleunigt in jeder Hinsicht. Ich komme nicht mit, und diese Erkenntnis erleichtert mich sehr. Trochowski, den fand ich wirklich stark gestern.

* Ach, der Link funktioniert leider nicht mehr, eine der tollen Kolumnen von Okka Rohd ist aber noch hier nachzulesen.



8. Juli 2008 0

| Abseits

Christian Kaufmann hat Bayern-Profis fotografiert.



25. Juni 2008 0

| Abseits

Nun gut, Italien ist raus.

[Gefunden im Blogblick Fußball, Making of dort.]