3. Oktober 2011 10

Jein Hamburger SV – Schalke 04 1:2

| Ballkontakt

Er müsse uns an dieser Stelle höflich darum bitten, das Stadion unverzüglich zu verlassen, sagt der Ordner in Orange in ruhigem, aber bestimmtem Ton. 74. Spielminute, soeben ist das 1:2 gefallen. Äh, wie? Der meint das nicht ernst, oder? Der meint doch nicht uns? Huntelaar meint er vielleicht, aber uns? Uns kann er nicht meinen.

Doch, doch, er meine uns und er meine es ernst, das sei alles andere als lustig und es reiche auch nicht aus, sich jetzt schnell was drüberzuziehen übers königsblaue Trikot, denn denen seien wir nun bekannt, da helfe auch kein Pullover. Wie bitte? Mir wird mulmig. Wie meint der das denn? Der kann uns doch nicht einfach rauswerfen. Und wem sollten wir denn hier bekannt sein?

Im Interesse unserer eigenen Gesundheit, bekräftigt der Orangefarbige und lässt sich auch von den Solidaritätsbekundungen unserer hanseatisch gekleideten Sitznachbarn nicht von dieser Ansicht abbringen. Es sei jetzt durchaus gefährlich für uns und notfalls möglich, in einen anderen Block zu wechseln, Gegengerade ganz oben, da seien noch Plätze frei. »Hm, wenn wir da angekommen sind, ist das Spiel vorbei«, räumt einer ein, aber das überzeugt den Orangefarbigen nicht.

Wir sind zu fünft: drei freundliche Lotto-King-Karl-Mitsummer/-innen, zwei ebenso freundliche, tja, Gästetrikotträger (ein Mann, ein kleiner Junge). Die Karten waren uns am Ticketschalter auf Nachfrage als geeignet empfohlen worden – »kein Problem, in diesem Block geht es entspannt zu« –, nun sitzen wir brav auf unseren Plätzen, es ist schön warm und wir freuen uns über unseren lange im Vorfeld geplanten gemeinsamen Fußballabend, Ergebnis Nebensache. Aber nein, so einfach ist das nicht, wie der Orangefarbige uns erklärt. Wir hätten hier eigentlich gar nicht auftauchen dürfen, das sei wohl an verschiedenen Stellen übersehen worden, aber nun sei es an der Zeit, darauf hinzuweisen. Rausschmeißen könne er uns nicht, denn wir hätten ja nun mal Karten. Wenn wir uns aber wenigstens nicht freuen würden, wäre schon ein Anfang gemacht.

Der wiederholten dringenden Empfehlung des Orangefarbigen, in seiner Begleitung das Feld zu räumen, kamen wir nicht nach. Stattdessen wurden wir stiller und stiller, die Objekte des Anstoßes verschwanden unter farbneutralen Jacken, ein paar Reihen weiter dasselbe Bild: kurze Ansprache in Orange, sichtbare Irritation, Trikotversteckaktion, Schweigen. Wir fühlten uns unerwünscht, wie blinde Passagiere, die man im Bauch eines Kreuzfahrtschiffs entdeckt, gnädigerweise aber nicht direkt über Bord befördert, sondern noch bis zum nächsten Hafen mitnimmt. Ahoi. Nein, wir waren nicht sauer auf den Orangefarbigen, erst recht nicht auf den Verein, so ein Quatsch, aber verdutzt waren wir und mit einem Mal merkwürdig ernst. Erst die ausgestreckte Hand eines lächelnden Rautenträgers unterbrach unsere Irritation. »Hey, Kleiner, Glückwunsch zum Sieg.« Home, sweet home.

10 Kommentare

  1. nedfuller sagt:

    Wo habt ihr gesessen?

  2. stefanie sagt:

    Ich weiß die Nummer des Blocks leider nicht genau, aber von uns aus gesehen am linken Rand der Nordtribüne, diagonal gegenüber dem Gästeblock.

  3. nedfuller sagt:

    Nordtribüne.
    Dort sind Schilder aufgehängt, daß bitte nur die Farben des HSV hier getragen werden sollen.
    Nicht gesehen?

    Ich setze mich auch nicht in den Fanblock von Schalke mit einem BVB Trikot, oder? Die Ordner sind angewiesen, darauf hinzuweisen.

  4. jens sagt:

    als nicht regelmäßig-gänger kann man solche schilder bestimmt mal übersehen @ned. generell gilt natürlich, dass man schauen sollte wo man mit seinem trikot sitzt oder steht.

    auf der anderen seite frage ich mich, warum der verkäufer des tickets da nicht schon drauf hingewiesen hat, denn das trikot dürfte die verfasserin des beitrags ja da auch schon angehabt haben. oder?

  5. nedfuller sagt:

    @jens
    Auf den Tickets steht es glaube ich nicht drauf.

    Ist das Ticket online gekauft worden? Ich glaube das steht der Hinweis ebenfalls.

    ist übrigens nichts HSV spezifisches: Als ich damals in Köln auswärts war, hat man mir auch gesagt, ich solle bitte meinen HSV Schal abnehmen.

  6. stefanie sagt:

    Diese Schilder haben wir nicht gesehen. Wir haben uns aber aufgrund der Nachfrage und Aussage am Kartenschalter vor ein paar Wochen auch einfach keine Gedanken darüber gemacht. Wenn wir extra sagen, dass wir nicht in den HSV-Fanblock wollen, aus Gründen, und dann antwortet man uns: »Okay, in Block soundso ist es entspannt«, dann gehe ich ja davon aus, dass das in Ordnung ist. Auch am Eingang bei den Kontrollen war es kein Thema, da hatten die Jungs ihr Schalke-Trikot ja schon an.

    Und die Leute um uns herum waren in der Tat sehr entspannt, habe dort keinen Unmut wahrgenommen. Wir saßen, wie gesagt, auch ziemlich weit links.

    Sicher, der Ordner hat seinen Job gemacht und vermutlich entsprechende Erfahrungen. Die Art und Weise seines Hinweises war mir allerdings etwas unheimlich – der Zeitpunkt, diese Vehemenz …

  7. nedfuller sagt:

    Klar ist es da eingentlich entspannt.
    Aber es gibt eben diese Regel.

    Beim nächsten Mal weißt du es besser :-)

    (Die Vehemz rührt daher, daß es ein “Eklat” um einen Bayernfan gab, der mit Bayerntrikot in der Kurve saß und entsprechend bepöbelt worden ist.)

  8. Stepha sagt:

    Meine Güte,
    da wird einem ja wirklich mulmig zumut, beim Lesen! 
    Ein Fußballspiel scheint also nicht unbedingt spaßig zu sein…
    Warum hängen da nicht lieber Schilder, dass “Andersfarbige” bitte nicht angepöbelt werden sollen? 
    Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel, sollte man meinen…

  9. stefanie sagt:

    @Stepha
    Vabanquespiel, mitunter.

  10. Ralle sagt:

    Block 28C, Reihe 8 (Zahlengedächtnis)
    Bis auf den Hirni mit der tätowierten 88 im Nacken waren lauter Normalos am Start.
    Ordner vor dem Spiel: nein, mit den Karten kommen Sie, trotz Trikots, nicht in den S04-Block.
    Wunderbare HSV-Ordner-Welt
     

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