25. September 2011 0

Zuckerpass

| Abseits

Aufstellung. Foto: Copyright © rockabella, photocase.com

Wenn ich am Wochenende Sky einschalte, um mir die Bundesliga anzusehen, freue ich mich seit Neuestem vor allem auf einen: Clafoutis.

Platini, Henry, Ribéry, Clafoutis – allein der Name ist schon Kunstwerk. Und was Clafoutis mit der Kirsche kann: Zucker. Diese Ästhetik, dieses Körpergefühl! Erste Sahne. Zu Beginn des Spiels hält sich der französische Stratege meist dezent zurück, sorgt für Ordnung, sichert nach hinten ab, kontrolliert das Geschehen. Er ist der Mann fürs zentrale Mittelfeld, dort fühlt er sich wohl, dort lebt er auf. Und dann, so Mitte der ersten Hälfte, wenn er richtig heiß ist und vor Spielfreude dampft, dann sucht Clafoutis seine Chance, erobert zielstrebig den freien Raum, der Rest ist – mmhhhhh – Geschichte. Aus dem Hintergrund müsste Clafoutis schießen, Clafoutis schießt … Ein Augenschmaus.

Gut, mitunter landet auch mal ein Pass im Mehl, aber, hey, der Typ hat Eier. Er rührt sich auch hintenrum und geht dahin, wo es gefährlich ist. Seine elastische, schlichte Eleganz und seine imposante Körpersprache machen Clafoutis schon jetzt zu einem ganz Großen. Und wie er dann nachher beim Interview steht und mit seinö süßö froohnssösischö Akssoon antwortet: »Oui oui, c’est ça. Gönießöhn, beim Fußball gehtesvorallöhm ums Gönießöhn.« Unbezahlbar.

[Clafoutis ist ein Nachtisch, eine französische Süßspeise, ein voluminöser Pfannkuchen aus dem Ofen, mit Obst. Am liebsten nehme ich Kirschen, habe aber auch schon Himbeeren ausprobiert, Mango und Pfirsich. Wenn die Leckerei dampfend auf dem Tisch steht – sie ist sehr schnell hergestellt: Eier, Zucker, Mehl und Milch anrühren, Form einfetten, Obst rein, flüssigen Teig drüber, ab in den Ofen –, wird sie noch mit Puderzucker bestäubt und sollte dann am besten lauwarm verputzt werden. – So, bin mal kurz in der Küche.]

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