30. April 2007 0

Scusa Bayer 04 Leverkusen – AS Rom 3:1

| Rückpass

Stimmt irgendetwas mit meinen Schuhen nicht? Er hebt den Kopf, sieht mich an. Ich habe meinen Ring verloren. Er presst die Lippen fest aufeinander und taucht dann wieder ab, lässt Blick und Hände über die Steinstufen gleiten. Den Italienern passt das nicht, scusa! ruft immer irgendeine gerunzelte Stirn. An Orten wie diesem neige ich dazu, alles zu verallgemeinern. Die Hässlichkeit der Welt, das Schöne im Leben, das Gute, Böse – sind doch alle gleich, überall, denke ich und gehe sicher, dass in meiner Umgebung nirgendwo ein Ring liegt. Mehr geht nicht. Ich gebe ihm ein Zeichen, meine Augen signalisieren: Es tut mir leid.

Er wird mit ihm herumgespielt haben, aus Nervosität vielleicht, ich könnte das gut verstehen. Und plötzlich, in einem Moment der Sorglosigkeit, springt sie davon, die Kostbarkeit, stürzt sich hinunter, lässt sich von seinem Herzklopfen anstecken und geht verloren. Geh nicht verloren, sagt er noch. Sie hört es nicht mehr. Es fällt ein Tor, es wird laut, die Italiener verstummen.

Gerangel am Buffet. Ich will nichts essen, spüre einen Ellbogen in der Seite, vielleicht ist es auch ein Kopf. Der ganz in dunkelbraun gekleidete Brillenträger drüben am Tisch hackt auf sein schneeweißes iBook ein. Er sieht aus wie ein Raubvogel, hackhack. Neben seiner Beute liegt ein orangenes Basecap. Zwischendurch wirft er Zigarettenreste auf den Boden. Oder auf Schuhe. Plötzlich springt er auf, stellt eine Frage, glaube ich zumindest, aber er redet zwei Minuten, doch, es ist eine Frage. Er bekommt Antwort: Es sei doch alles ganz ordentlich gewesen, gar nicht so schlecht, und l’europa sei noch lange nicht vorbei. Das Wichtigste im Raum redet sich in Rage, die blonde Übersetzerin hat viel zu tun, er unterbricht sie, fällt ihr ständig ins Wort, nein, man werde kämpfen, es sei alles in Ordnung, es sei doch alles ganz ordentlich gewesen. Basta così, ich muss raus, sitze ohnehin im Weg, scusa.

[19. Oktober 2004]

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