31. Dezember 2011 4

Elf

| Rückpass

Fotos: Copyright © Stefanie Barthold

Habe lange nicht mehr so viel Fußball gesehen wie in diesem Jahr, lange nicht mehr so viel über Fußball nachgedacht, lange nicht mehr so viel beim Fußball gelacht.

Ganz besonders berührt hat mich die »Aktion Libero«, dieser wochenlange emotionale Ausnahmezustand, das gemeinsame Planen, Fiebern, Wünschen und Wollen, die Aufregung und die Dankbarkeit. Tolle Menschen, die ich durch dieses Projekt ein bisschen kennenlernen durfte. Habe so etwas zum ersten Mal erlebt und bin immer noch sehr beeindruckt. Liebe Aktion-Libero-Leute, ihr seid wunderbar.

Und sowieso: diese vielen ersten Male.

Zum ersten Mal ein Werder-Spiel im Weserstadion gesehen, endlich! (Ach, Bremen, du bist leider viel zu weit weg, und das unverschämterweise seit Jahren schon.)
Zum ersten Mal zu Union in die Alte Försterei gewandert.
Zum ersten Mal an einem Bundesliga-Tippspiel teilgenommen.
Zum ersten Mal unrund getwittert.

Zum ersten Mal über den Kauf einer Dauerkarte nachgedacht.
Zum ersten Mal fast geheult inmitten singender Fanmenschen.
Zum ersten Mal geheult inmitten singender Fanmenschen.

Und sowieso: dieser neue Lieblingsverein, der mir in den letzten Monaten so den Kopf verdreht hat. Der mich tatsächlich dazu gebracht hat, neulich nach dem Spiel die ganze Mannschaft abzuklatschen (huch). Lieder mitzusingen, obwohl ich den Text gar nicht kenne. Allein zum Auswärtsspiel zu fahren, quer durch Berlin, mit dreimal umsteigen, halbgefrorenvollzufrieden. Der Verein mit den charmantesten Fans, die mir je begegnet sind. Der Verein, der dafür gesorgt hat, dass ich seit Jahren mal wieder Hallenfußball gesehen habe – und mich daran erinnert, wie sehr ich in das Geräusch quietschender Sohlen auf Turnhallenboden verliebt bin. Der Verein, bei dem ich mich … irgendwie … sauwohl fühle, selbst in der Phase des schüchternen Herantastens, in der ich mich befinde. Ja, so einfach ist das nämlich mit dem Fansein: Das ist dieses warme Gefühl, das du beim Betreten des Stadions hast, und beim bloßen Gedanken ans Dortsein, beim Gedanken an all die anderen Menschen, die gern dort sind, beim Gedanken an den Moment, in dem die Mannschaft aufs Feld läuft.

Ich freue mich so sehr darauf, dass all das weitergeht, morgen schon, bin gespannt und wie fast immer ein bisschen zappelig, besonders jetzt gerade, nach dem zweiten dritten Sekt und mit feuchten Augen (äh, vom Zwiebelnschneiden fürs Raclette).

Tschüss, Zweitausendelf, du famoses Jahr.
Prost, Zweitausendzwölf. Mach es dir gemütlich, ich hol dir ’n Glas. Oder willste ’nen Becher?

[Konfetti: Aktion Libero, Fußballfans gegen Homophobie, Der Lila Kanal, Werder Bremen, No Dice Magazine, freitagsspiel.]

4 Kommentare

  1. Rotkapi sagt:

    ich habe 2011 zum ersten mal einen fußballblog gelesen. und zum ersten mal einen fußballblog verfolgt. einen nur. einen, der sich immer, jedesmal um viel viel mehr dreht, als nur um fußball. dabei dreht es sich doch nur um fußball. wie machst du das bloß? will jedenfalls auch 2012 bei dir in der fankurve stehen, mit fasttränen und freude. und becher natürlich. auf 2012, alles gute!

  2. stefanie sagt:

    ?
    Auch dir alles Gute, liebe Rotkapi! 
    Und vielen Dank für deine fantastischen Texte, für das schöne Kompliment, fürs Mitfreuen.

  3. Fanny sagt:

    Aus irgendeinem Grund lese ich diesen Blogpost erst jetzt – und er ist so wundervoll und die Photos so schön, dass ich ihn mir einrahmen und an die Wand hängen möchte. :)

  4. stefanie sagt:

    Oooh, danke schön, Fanny! :) Das freut mich sehr.

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