Kategorie Hoffnungsträger

23. März 2014 0

Gooool mit vier »o«

| Hoffnungsträger, Spielplan

Als mich Alois vor ein paar Monaten gefragt hat, ob ich sein Fußballbuch über Brasilien lektorieren möchte, wusste ich noch nicht, dass daraus ein so besonderes Projekt werden würde. Unverhofft hat sich »Gooool do Brasil – Kartografie einer nationalen Leidenschaft« für mich zur Herzensangelegenheit entwickelt. Futebol ohne Anführungszeichen, Seleção mit Cedille und Tilde, die Basics waren schnell klar. Der Zauber lag im Detail. Im Ohr den Lektoratssoundtrack in Dauerschleife, vor der Nase was mit Limetten, Eis und Zucker, gedanklich im Wechsel irgendwo in São Paulo und bei Gooool mit vier »o«. So hätte das ewig weitergehen können.

»Gooool do Brasil« hat mich begeistert. Jetzt, da das Werk endlich in meinem Bücherregal steht und die Freude darüber irgendwie kein Ende nehmen will, habe ich Alois ein paar Fragen dazu gestellt. (Seinen Vorschlag, das Interview auf Österreichisch zu führen, musste ich bedauerlicherweise ablehnen.)

Jeder Oasch macht heut’ ein Buch. Wann und warum hast du gesagt: »Ich auch!«?
Ende 2008 war mein erster Aufenthalt in Brasilien. Eins führte zum anderen: Die Liebe (zu Futebol), die Lust (auf ein Buchprojekt) und die relativ neue Leidenschaft zur Fotografie. Und: Ich liebe Bücher beziehungsweise Magazine.

Liebe, Lust und Leidenschaft. Nicht die schlechtesten Zutaten für ein gutes Buch. Und hast du dir irgendwann auf halber Strecke mal gedacht: »Ach nö, ich mach’ doch keins«?
Auf viertel Strecke, auf halber Strecke und auf dreiviertel Strecke. Ich leide beim Schreiben, es ist die Hölle. Ich verfluchte es jeden Tag. Aber wenn dann ein Absatz, ein Kapitel und dann das ganze Buch fertig ist, ist das schon sehr toll.

Du bist bei »Gooool do Brasil« gleichzeitig Autor, Fotograf, Gestalter, Verleger, Marketing- und Vertriebschef … hab ich noch was vergessen? Du machst wohl gerne alles alleine.
Die verwendete Schrift im Buch ist allerdings nicht von mir. Gerne alles alleine? Jein. Sagen wir so: Das Projekt war mir einfach zu wichtig, um irgendwelche Kompromisse einzugehen. Abgesehen davon habe ich den Eindruck, dass die Verlagsbranche völlig im Eimer ist, beziehungsweise irre konservativ. Das Ganze mal unabhängig von den bescheidenen finanziellen Konditionen.

Dafür riecht jetzt deine ganze Wohnung nach Fußballbuch! Wäre mit einem Verlag undenkbar gewesen.
Wenn ein Autor nur zehn Stück vom Verlag bekommt, könnte das sehr schwierig werden. Eigentlich riecht nur frisch geschnittenes Gras besser.

Eines meiner Lieblingsbilder aus dem Buch ist dieses hier:

Wie ist es entstanden? Was war das für ein Tag?
Das war 2012 in Recife im Nordosten von Brasilien, beim Spiel Santa Cruz gegen Salgueiro im Estádio do Arruda, regionale Meisterschaft vom Bundesstaat Pernambuco. Muss man nicht kennen. Das Arruda ist eine alte Betonschüssel, ein reudiges Betonungeheuer, Temperatur: 40 °C, vollgepisste Aufgänge, ein echtes Juwel der 1970er-Jahre.

Kann man deine Fotos kaufen?
Ja. Es ist eine Ausstellung in Wien und Graz geplant. Einige Bilder gibt es auch in der Bilderwelt von 11 Freunde, die signierte Variante als limitierte Auflage dann aber nur persönlich.

Gab es einen schönsten Moment, der sich im Buch wiederfindet?
Die schönsten waren glaub ich immer auch die intensivsten: In der Umkleidekabine eines Amateurteams, bei den 500 Schönheitsköniginnen in Manaus, unter der Fahne von Corinthians und das Interview mit Sócrates.

»Aqui tem um Bando de Louco …« singt die »Gruppe von Verrückten« unter der Corinthians-Fahne.
Meiner Meinung nach eins der besten Videos auf Youtube. #Gänsehaut

Wenn du dir eine Begegnung irgendwo in Brasilien aussuchen könntest, bei der du live dabei sein kannst, welche wäre das?
Gilt Vergangenheit auch? Also, beim Spiel Corinthians gegen Boca Juniors, das Rückspiel im Finale der Copa Libertadores, im Juli 2012, da wäre ich schon gern dabei gewesen. Corinthians hat da zum ersten Mal die verdammte Schüssel gewonnen.

»Das beste Team der Welt«, sagen zumindest die Fans. Das gerade ein schickes großes Stadion gebaut bekommt, in dem das WM-Eröffnungsspiel stattfinden wird. Wie findest du das?
Ich bin ja ein großer Fan vom aktuellen Stadion, vom Estádio do Pacaembu. Das ist sicher nicht so schick wie das neu Itaquerão, liegt aber sehr zentral in São Paulo und ist einfach seit Jahrzehnten das »Wohnzimmer« von Corinthians. Aber wir sprechen ja von der »Copa« und hier gelten eigene Gesetze, egal ob in Südafrika oder in Brasilien. Für Romantik und Sentimentalitäten ist da nicht immer Platz.

Hast du einen Lieblingsspieler in der aktuellen Seleção?
Dante von den Bayern ist einfach ein super sympathischer Typ. Dani Alves auch. Wenn man ihn über sein Heimatteam EC Bahia sprechen hört, das ist schon sehr bewegend. Bei Paulinho von Tottenham Hotspur find ich die Karriere beeindruckend: Vor einigen Jahren noch in Litauen, Polen bzw. in den unteren Ligen von Brasilien, ist er mittlerweile ein Fixstarter im Team. Auch noch gut: Thiago Silva. Und natürlich: Ronaldinho, der in meiner aktuellen Seleção auch noch dabei wäre.

… der bei der WM 2002 im Viertelfinale gegen England dieses unglaubliche Freistoßtor geschossen hat. Im Buch schreibst du:

Auf der einen Seite ein benommener und fassungsloser David Seaman, 38 Jahre alt, auf der anderen Seite ein ewiges kleines Kind, mit neunzigminütigem Lächeln im Gesicht. Es war ein Sieg des brasilianischen Spielwitzes über die englische Korrektheit und ein Triumph der südamerikanischen Improvisation über die europäische Rationalität.

Mehr »Golaço« geht eigentlich nicht. Du meinst also, der kann das immer noch?
Klar. In der Sprache eines Trainers gesprochen: »Er kann noch immer den Unterschied ausmachen, jederzeit.« Ich wandle hier ein schönes Zitat von Nelson Rodrigues ab: »Kein Mann käme auf die Idee, die Königin von Saba oder Kleopatra im Bett nach ihrer Geburtsurkunde zu fragen. Was geht es uns an, ob Ronaldinho siebzehn oder dreihundert Jahre alt ist, wenn er das Spiel entscheidet? Wenn der Ball ihn auswählt und bevorzugt.«

Liebe, Lust und Leidenschaft. Vermisst du manchmal den Ronaldo-Fan Bruno und seine Saftbar in Rio?
Dieser Verrückte …

Ist an Wien irgendetwas brasilianisch?
Wien und São Paulo haben viel gemein. Zum Beispiel das U-Bahn-Netz ist exakt gleich lang. Krass, oder?

Mit einer Kundgebung gegen die Erhöhung der Preise in den öffentlichen Verkehrsmitteln von São Paulo gingen letztes Jahr die landesweiten Demonstrationen los. Rechnest du auch bei der Weltmeisterschaft mit Massenprotesten?
Ja. Und ich hoffe, sie bleiben friedvoll und die Polizei bzw. diverse Sondereinsatzkommandos haben aus ihren Fehlern in den Sommermonaten von 2013 gelernt. Die überzogene Polizeigewalt ist leider noch immer traurige Realität in Brasilien.

Über welchen besonderen Brasilien-Moment steht nichts im Buch?
Ich spiele ja selbst mittlerweile sehr bescheiden Futebol. Aber bei einem Spiel – eine noble private Anlage von sehr reichen Bekannten – erzielte ich drei Tore. Und das Besondere daran, das war auf einem Feld, wo bereits Careca und Maradona spielten (und vermutlich auch Tore erzielten). Amoroso war in meinem Team. Ich war selten nervöser …

Du hast neben Amoroso im Sturm gespielt?
Ich würde eher sagen, Amoroso hat neben mir gespielt.

Was kann man von den Brasilianern lernen, mal abgesehen vom Fußballspielen?
Fruchtsäfte aus Ananas und Minze machen. Dem Wort »Saudade« (Sehnsucht) zwei Millionen Bedeutungen geben. Ordentliche Menschenschlangen bilden. Saukaltes Bier trinken. Und: Umarmungen.

Brasilien wird also Weltmeister, ja?
Fix. Und zwar gegen Italien.

Da wird sich dann viel umarmt. Und was, wenn nicht?
Eine tragische Finalniederlage gegen Uruguay oder Argentinien wäre zumindest für ein weiteres Buchprojekt spannender.

Alle Fotos: Copyright © Alois Gstöttner, Club Bellevue

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Alois Gstöttner
»Gooool do Brasil – Kartografie einer nationalen Leidenschaft«
176 Seiten, 17×22 cm, 86 Abbildungen
ISBN: 978-3-200-03492-1
24 Euro

Infos und Direktbestellung
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15. April 2012 0

| Hoffnungsträger



16. Januar 2012 1

Friede, Freude, Marmorkuchen

| Hoffnungsträger

Anpfiff. So ging er los, der Fankongress 2012. Das Motto: »Dialog statt Monolog!«

 
»Endlich Bier!«, ruft einer durchs Foyer, es ist Samstag, 15:30 Uhr, und es gibt Marmorkuchen. Dazu Wasser. Kaffeepause beim Fankongress 2012, Schlangestehen am Kuchenbüfett. Arminia Bielefeld hat bereits direkten Zugriff auf die reichhaltig bestückten Gebäckplatten, dicht gefolgt vom 1. FC Köln, Borussia Dortmund und Dynamo Dresden. Es herrscht Einigkeit: Lecker, dieser Kuchen. Cool, dieser Kongress. Grandios, dieses Fansein.

Zur gleichen Zeit irgendwo im Netz: Die zweitägige Veranstaltung im Berliner Kosmos ist kaum richtig ins Rollen gekommen, da wird schon – wie im Fußball so üblich – nach Ergebnissen gefragt. Was es denn nun gebracht habe, das Zusammentreffen von gut 500 Fußballfans aus mehr als 60 Vereinen, vorwiegend erste und zweite Liga. Welche Lösungen man abseits des Marmorkuchens herausgearbeitet habe. Ob es denn endlich Resultate gebe … Ja, die gibt es. Sogar eine ganze Menge.

Einer der wichtigsten Erfolge des Kongresses ist zweifellos, dass er überhaupt stattgefunden hat. Professionell organisiert von ProFans, ohne Unterstützung der Verbände (ein finanzielles Angebot der DFL lehnte man ab), dafür mit einwandfreiem Catering und vielen interessanten Gästen. Die Stimmung war freundlich, offen und sachlich, Rivalitäten machten sich maximal in Form von skeptischen Blicken oder unterschiedlichen Wegen zum Klo bemerkbar.

Um für den Erhalt der Fankultur zu kämpfen, ist es wichtig zu erkennen, dass diese Fankultur trotz selbstverständlicher individueller Besonderheiten in den Vereinen ein gemeinsamer Schatz ist, auf den es zusammen aufzupassen gilt. Konkurrenz ist schön und gut, aber bei großen Themen wie Pyrotechnik, Preispolitik und 50+1-Regel bringen überstürzte Alleingänge wenig. Sie schrecken die Gesprächspartner eher ab, als dass sie als ernsthafte Kommunikationsgrundlage angesehen werden. Deshalb der Kongress. Deshalb Dialog.

Natürlich kann man sich darüber ärgern, dass DFB und DFL »lediglich« Fan- und Sicherheitsbeauftragte geschickt haben, anstatt sich – beispielsweise durch die Herren Zwanziger und Rauball – prominenter aufzustellen. Natürlich ist es schade, dass die ZIS einen Tag vor Veranstaltungsbeginn die Absage ihres Vertreters Ingo Rautenberg verkündet hat. Und natürlich ist es legitim, sich darüber aufzuregen, dass »die Polizei« dem Kongress also fernblieb, am Samstagabend aber nach Veranstaltungsschluss vier Mannschaftswagen vor dem Kosmos hielten, deren Insassen sich laut Veranstalter »mal ein wenig umschauen wollten«. (Den Marmorkuchen haben sie nicht angerührt.) All das ist bedauerlich und sollte nicht unter den Tisch fallen, viel bedeutender aber ist, dem etwas entgegenzusetzen, und dafür war der Fankongress weit mehr als ein wichtiges Signal. Sachlichkeit, Kommunikationsbereitschaft, Hartnäckigkeit – das sind einige der Hauptargumente, mit denen die deutschen Fußballfans die »Stakeholder«, wie sie vor Ort oft genannt wurden, beeindrucken und überzeugen können.

Zu den eindrucksvollsten Programmpunkten des Fankongresses zählten das Gespräch mit dem Briten Michael Brunskill (Football Supporters’ Federation), der von den Verhältnissen in England erzählte, und der anschließende Bericht von Blogger und Italien-Experte Kai Tippmann. Sie machten deutlich, was passieren kann, wenn Fangruppen den Dialog verweigern und sich hinter ihrem Lokalpatriotismus verbarrikadieren (Campanilismo), und wie der konkrete Alltag eines britischen Fußballfans aussieht, der sich die Eintrittskarte fürs Stadion nicht mehr leisten kann. Etwa 1.200 Euro koste die günstigste Dauerkarte bei Arsenal, »in der Premier League geht es nur noch ums Geld«, so Brunskill. In England spiele sich Fankultur aus diesem Grund inzwischen vorwiegend in den Pubs ab, in Italien gibt es laut Tippmann zum Teil dort, wo noch vor ein paar Jahren Tausende zusammen gesungen haben, heute nur noch lobenswert engagierte Kleingruppen – »manchmal nicht mehr als zehn, zwölf Leute« –, die beispielsweise ein Transparent gegen die Tessera del Tifoso in die Höhe halten.

Sicher, die meisten haben schon davon gehört, dass es in England ziemlich teuer ist, ein Fußballspiel live im Stadion zu verfolgen, und die meisten blicken wohl auch mit einer Mischung aus Faszination und Betroffenheit auf die italienische Ultràbewegung in den 80ern oder 90ern. Doch es berührt eben ungleich stärker, wenn man zwischen Anhängern ganz verschiedener, zum Teil verfeindeter Vereine in einem violett gepolsterten Kinosaal sitzt und jemandem zuhört, der anschaulich aus erster Hand berichtet und ganz nebenbei darauf hinweist, dass viele Fußballfans im europäischen Ausland neidisch auf die deutschen seien, weil die es hier so gut hätten mit all ihren Mitbestimmungsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen, von denen Italiener oder Engländer träumen. Fankongresse wie der in Berlin wären dort undenkbar. Es waren sehr unterschiedliche Szenarien, die beide Vortragenden schilderten, und doch handelte es sich um dieselbe Botschaft: Freut euch, macht was, setzt euch ein, möglichst gewaltfrei, aber vehement. Und das ist ein weiterer Effekt des Fankongresses: nicht nur theoretisch um eine Möglichkeit der Einflussnahme zu wissen, sondern wirklich zu spüren, dass es wichtig ist, die eigene Verantwortung wahrzunehmen. Ein Gefühl für den Gesamtkontext zu bekommen und dadurch Missstände, aber auch Wünsche klarer definieren und formulieren zu können.

Vielleicht ist es das, was der DFL-Fanbeauftragte Thomas Schneider eigentlich meinte, als er bei der großen Podiumsdiskussion am Samstagabend in unangemessen vorwurfsvollem Ton von mangelnder Selbstreflexion sprach. Selbstreflexion im Sinne von: die eigenen Möglichkeiten erkennen, sich selbst und sein Tun kritisch betrachten und realistisch einschätzen. Und aus dieser Einschätzung heraus den Mut haben, sich zu beteiligen – individuell, im eigenen Verein oder auch vereinsübergreifend. Protest, ja, unbedingt. Aber eben auch: Beteiligung. Das geht gewiss nicht, wenn man einer Wand aus Uniformierten gegenübersteht, aber bei so einem Fankongress, und darüber hinaus, geht das sehr gut. Schenkt man den Worten von Schneider und seinem DFB-Kollegen Gerald von Gorrissen (ebenfalls Fanbeauftragter) Glauben, dann greift die ausgestreckte Hand der Fußballfans keineswegs ins Leere, weil Gesprächsbereitschaft bei DFB und DFL durchaus in hohem Maße vorhanden sei. Ob das wirklich so ist, darf gerade in Bezug auf das Thema Pyrotechnik angezweifelt werden – die Sache mit der Selbstreflexion gilt jedenfalls für alle involvierten Parteien, und die Fans haben mit ihrem Kongress in Berlin erst mal ordentlich vorgelegt.

Die Journalistin Nicole Selmer befand bei der Abschlussveranstaltung, die Mitwirkung der Teilnehmer(innen) sei ihrer Ansicht nach zu gering gewesen. Man hätte noch viel konstruktiver diskutieren können, wenn sich die Fans während der Vorträge aktiver eingebracht hätten. Das ist zwar richtig, aber zum einen fehlten auf den Podien mitunter Vertreter von Gegenpositionen, zum anderen ist diese Dimension des Mitmachenkönnens vielen jüngeren Fans überhaupt nicht vertraut. Wenn diese Fans das Gefühl aus Berlin mitnehmen, dass sie Einfluss haben, gehört werden und mit ihrem Anliegen nicht alleine sind, und wenn sie davon ausgehend ihren eigenen Weg finden, sich für das einzusetzen, was sie am Fußball besonders lieben, dann ist dies mit Sicherheit das wertvollste und ermutigendste Ergebnis des Wochenendes.

[Einige lobenswerte Initiativen und Interessenvertretungen, die in Berlin dabei waren: Aktion Libero, Amnesty International (Polizei), BiBeriS, Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF), Erhalt der Fankultur, Fananwälte, Fanrechtefonds, FARE, Football Supporters Europe (FSE), Fußballfans gegen Homophobie, Kein Zwanni, Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), ProFans, Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren, Soccer Sound (LSVD), Unsere Kurve.]



16. November 2011 0

Aktion Libero

| Hoffnungsträger

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig: Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.



16. November 2011 3

Ein Kuss auf Reisen

| Hoffnungsträger

Christian und Sebastian sind Fußballfans, ihr Verein: Tennis Borussia Berlin, die Lila-Weißen, sechste Liga, Kummer gewohnt. Wenn gegnerische Fans »Lila-Weiß ist schwul« skandieren, stimmen sie mit ein, aus dem Schmähgesang wird ein Fangesang, man lacht. »Bei TeBe ist Homophobie schon ewig Thema«, sagt Sebastian. Er erzählt von der Auswärtsfahrt nach Cottbus, zu Zweitligazeiten, der legendären »Fummelfahrt« mit buntem Crossdressing und irritierten Gastgeberfans. »Für die Cottbuser, die ja nicht unbedingt als Speerspitze der Aufklärung gelten, war das schon ein interessantes Erlebnis.« Und für die TeBe-Fanszene ein ganz besonderes, denn einer von ihnen hatte damals sein Coming-out.

Sebastian (33) ist seit ein paar Jahren TeBe-Fan. Als Mainzer mit 05er-Herz kam er nach Berlin, hat nach einem Verein gesucht und TeBe gefunden, Lila-Weiß statt Rot-Weiß, Eichkamp statt Bruchweg. Bei seiner Stadionpremiere gab es direkt mal eine 1:7-Niederlage, »und das hat einfach so viel Spaß gemacht, dass ich geblieben bin. Die Kurve ist selbstironisch, entspannt und achtet auch aufs Spiel, statt nur nervigen Dauersupport zu machen. Und sie ist divers. Das gefällt mir.«

Christian (28) fand Fußball lange Zeit unsympathisch. »Das war mir viel zu prollig und mit diesem Ultrading konnte ich mich auch nie anfreunden – ich hab Football gespielt.« Durch ein Praktikum bei TeBe ist er dann aber in der Fanszene hängen geblieben, liebt die dortige Kultur, und die Subkultur. »Mittlerweile würde mir ohne TeBe eine Menge fehlen, weil es eben nicht nur um Fußball geht. Wir machen viele schöne Aktionen, wie für den Schokoladen oder jetzt eben die Sache mit dem Banner.«

Und die Sache mit dem Banner ist die: Die beiden singen nicht nur jedes Wochenende im TeBe-Kurvenchor und engagieren sich bei We Save TeBe, sondern haben darüber hinaus als Teil der Vereinsabteilung Aktive Fans die Initiative Fußballfans gegen Homophobie ins Leben gerufen.

Christian: Die Grundidee war, ein Banner für eine Aktion anlässlich der FARE Week im Oktober zu malen. Bis dahin eine kleine Route durch ein paar Stadien befreundeter Vereine, fertig. Kam dann aber anders … Mittlerweile tourt das Banner durch ganz Deutschland, Liga eins bis sechs, sogar in Luxemburg und der Schweiz hing es schon in der Kurve. Wir sind selbst total überrascht von diesem Echo. Inzwischen kommen die Fangruppen auf uns zu und fragen, ob sie das Banner auch mal haben können, und wir organisieren das dann. Jede einzelne Station ist ein Gewinn, den Schlusspunkt setzt in diesem Jahr Schalke. Danach muss man mal sehen … Ich fänd’s ja großartig, wenn in der Rückrunde zu den aktuell 23 Stationen noch zehn hinzukämen und die dann irgendwann mal alle zeitgleich eine Choreo oder eine rosa Kurve machen würden.

Das Banner ist lila und hübsch und fällt in jedem Stadion sofort auf. Zwei Männer. Ein Kuss. Ein Regenbogen. Das Besondere ist, dass die Botschaft von Fans kommt und von anderen Fans weitergetragen wird. Solidarität statt Rivalität. Die meisten Vereine, die mitmachen, präsentieren das Banner nicht bloß, sondern denken sich noch eine individuelle Aktion dazu aus – Choreos, Seifenblasen oder gleich eine ganze Themenwoche. Keine Kurve wird abgelehnt, jeder kann mitmachen. Ein sympathisches Modell, das dafür sorgt, dass auch die Vereine genauer hinschauen.

Sebastian: Ich glaube, dass die Fans wirklich eine Art Vorbildrolle einnehmen können für die Vereine. Da passiert gerade einfach was, es gibt unheimlich viele Diskussionen zum Thema Homophobie, es entwickelt sich ein Bewusstsein. Und ich habe den Eindruck, dass wir uns im Moment in einem Prozess befinden, der vielleicht zu einem Klima beiträgt, das es irgendwann egal werden lässt, ob ein Fußballer schwul ist oder nicht.

Von einer solchen Gelassenheit ist der deutsche Fußball aktuell noch weit entfernt, doch Aktionen wie die von TeBe tragen zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Thema Homophobie bei. Was Vereine und Verbände machen können? Vor allem klar sein, Haltung zeigen, und Vernunft. Einen Antidiskriminierungsparagrafen in die Satzung aufnehmen und vorleben, eigene Spieler und Trainer informieren, sensibilisieren, motivieren. Das Thema ernst nehmen, und die Menschen.

Christian: Da ist so viel Unbedachtheit, da sind so viele Vorurteile und Gedankenspiele. Die ganze Thematik wird oft runtergebrochen auf die Sexualität. Dabei geht es ja darum, sein Leben so zu gestalten, wie man es möchte, mit dem Menschen unterwegs zu sein, mit dem man zusammensein möchte, auch mal Händchen zu halten oder ein Eis essen zu gehen. (lacht) Ich will gar nicht wissen, was passiert, wenn Arne Friedrich und Philipp Lahm mal zusammen im Eiscafé gesehen werden …

[Mit Christian und Sebastian habe ich mich gemeinsam mit der freien Journalistin Nicole Walter unterhalten. Ihren Bericht gibt’s in ihrem Blog bierstattblumen.]



6. Oktober 2011 0

Oh boy!

| Hoffnungsträger


So viel wissen, so viel wagen. Es vergehen Minuten, Stunden, und es ist immer noch Zeit für eine Auswechslung, eine taktische Finesse, ein Experiment in der Abwehr. In aller Ruhe. »Gleich, gleich, ich komme gleich.«

Ich stelle mir vor, was all diese Informationen anstellen in so einem kleinen Kopf. Wo sie sich sammeln, wie sie sich formieren, um Datenbank zu werden, plastisch und erinnerbar auf ewig. Minikicker. Ob sie sich nach Verein aufstellen (bestimmt nicht) oder nach Glanz und Glitzer (schon eher) oder ganz brav nach Position … Und was das Wissen um Angriffswerte und Ratings auslöst, wenn es ernst wird beim eigenen Spiel, samstags auf dem Platz, wenn die Mamis zugucken – ob dann so ein Kind manchmal darüber nachdenkt, ob es selbst eher Hattrick-Held ist oder Matchwinner? Und ob es sich fragt, warum der Trainer die Mannschaft nicht auch mal mit fünf Stürmern auflaufen lässt? Denn das geht doch mit den Karten auch: Da kommen Gomez, Ramos, Pizarro, Götze und Raúl super miteinander klar, und hinten braucht es lediglich einen wie Neuer, etwas Glück und noch ’ne Fanta. So viel wünschen, so viel wagen, nie soll das aufhören.

»Heute gewinnen wir 31:0«, lacht er und ich lache zurück. Ich zweifle nicht eine Sekunde.



8. September 2011 0

Angst, Maschinen

| Hoffnungsträger

Philipp Lahm ist ein Gewinnertyp. Seit seiner Jugend bei der FT Gern, so betont er selbst immer wieder, ist in seiner Fußballerkarriere nicht viel schiefgelaufen. Er hatte fast immer Erfolg, eine Niederlage galt als Ausnahmeerscheinung. Vielleicht liegt es daran und an seiner Geschichte ganz allgemein, dass sich – so empfinde ich es zumindest – in mehreren Passagen seines kürzlich erschienenen Buches eine recht rudimentär anmutende Definition von Starksein und Schwachsein offenbart.

Lahm rät homosexuellen Mit- oder Gegenspielern (angeblich kennt er »keinen einzigen«) von einem Outing ab, weil er, so schreibt er selbst, Angst hätte. Vor den Reaktionen der Zuschauer, der »Masse«, der Medien, und davor, dass es dem betreffenden Spieler nicht gut ergehen würde. Ich vermute, er fürchtet – und damit ist er gewiss nicht allein – vor allem etwas anderes:

Das Outing des anderen ist immer auch das eigene. Insbesondere ein Kapitän, wie Lahm es ist, müsste Haltung zeigen, eine wie auch immer geartete Position vertreten, vor den Fans, dem Verein, den Mitspielern, vor sich selbst. In einem anderen Umfeld wäre das kein großes Thema, im Fußball leider schon. Lahm wäre also gezwungen, sich intensiver, als er möchte, mit Dingen zu befassen, die außerhalb der Sicherheit des Platzes und jenseits des gelernten Spiels mit dem Ball stattfinden. Er, der den FC Bayern für seine perfekte Struktur und Organisiertheit schätzt, dem das klinsmannsche Durcheinander zuwider war, der Ehrgeizige, Gradlinige, auf Kontrolle Bedachte. Ihm wäre das zu viel, zu unvorhersehbar, es würde ihn stören und womöglich aus der (Erfolgs-)Spur bringen. Lahm fürchtet den Kontrollverlust. So schlimm kann kein Kreuzbandriss sein, kein Ermüdungsbruch und keine Geldstrafe.

… ich weiß, dass er [der schwule Fußballer] darunter leiden würde, und in der Folge seine ganze Mannschaft.

Das schreibt Philipp Lahm, unterschreiben würden es Tausende, und obwohl ich ihm seine Besorgtheit in weiten Teilen abnehme und ihn durchaus für einen mitfühlenden Menschen halte, erschrecken mich der Egoismus und das Kalkül, die in einem solchen Satz durchblitzen. Bitte oute dich nicht, denn das schadet mir, äh, dir.

Das Duell gegen die viel zitierten Führungsqualitäten entscheidet – mit Verlaub – die Angst um den eigenen Arsch klar für sich.



19. August 2011 0

| Hoffnungsträger

Messi streikt. Heute sah ich ihn in Friedrichshain, gefällt ihm hier.
Foto: Copyright © Stefanie Barthold



11. November 2009 1

| Hoffnungsträger

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17. Juni 2008 0

Dunkelbunt Österreich – Deutschland 0:1

| Hoffnungsträger

Nach einem super Fußballabend freute ich mich heute Morgen auf die Reaktionen im Netz. Was ich sah, war: Beckmann, überall.

Vielleicht lag es am Prosecco, ganz bestimmt an den Gummibärchen und eventuell auch an meiner unverschämt wohlwollenden Grundstimmung, dass mir die Partie gefiel. Die Souveränität des Jens Lehmann, die breite Brust des Michael Ballack, der nimmermüde Lahm, der entschlossene Podolski … Da sehe ich gerne genau hin, das sehe ich gern und zugegebenermaßen viel lieber als die Wolkendecke aus dem Fenster des Fliegers nach Cordoba. Und wie der Zwanziger nach dem Tor die Merkel herzt und danach erst seine Frau. Und Bierhoff umgekehrt (gut, auf der anderen Seite saß ja auch nur der nette aufmüpfige Herr Löw). Das amüsiert mich. Das berührt mich ebenso sehr wie Gomez’ Kampf mit sich selbst, Frings’ unerreichbare Flanken, Fritz’ hängende Schultern und Schweinsteigers unentschiedene Frisur (die aus Nationalfarbigkeitsgründen nach einem roten Kopf verlangt: im Viertelfinale, yeah). Und dann: Hickersbergers gefasste Worte.

Aber wenn das heilige Holland heute zwei weitere Abseitstore schießt, das Pech der italienischen Versagertruppe sich zum Vorrunden-Knock-out potenziert und Ribery diesmal hinten links spielt, um dort das Nullnull zu verwalten, dann ist ja zum Glück endlich wieder alles so, wie es sein muss: schwarz-weiß. Und heimlich, in den Katakomben des Ernst-Happel-Stadions, in einem kleinen Seitengang abseits der Mikrofone und Kameras, tanzt Beckmann mit dem Kaiser langsamen Walzer.



8. Juni 2008 0

Löwenzahn

| Hoffnungsträger

Als Joachim Löw zum letzten Interview vor dem wichtigen ersten Spiel antrat, ahnte ich, dass meine Enttäuschung der letzten Tage verfrüht war.

Löw hatte noch einen Odonkor gebraucht, für die Stimmung im Land, und sein Odonkor war nicht Adler gewesen, den erwartete ja sowieso jeder, sondern Marin: irgendwie gut der Mann, irgendwie aber trotzdem auf keiner Rechnung. Und klein war er auch, genau richtig also, sein Odonkor-Derivat. Seltsam nur, dass die voraussehbar landesweit einsetzende Euphorie schon im zweiten Halbsatz erstickt wurde, schaut mal: der ist klasse, aber nicht klasse genug. Hä? Im Gegensatz zu 2006 hatte Odonkor Marin also nach Hause fahren müssen. Die Strategie dahinter war mir verborgen geblieben, gut, ein Überraschungsgast als Euphorie-Trigger, das hatte auch ich erwartet, aber wozu jene Ernüchterung? Vielleicht war ja genau das seine Strategie gewesen, über Bande sozusagen, um deutsche und meine Wünsche nicht in den Himmel wachsen zu lassen.

Das war ihm gelungen, dem Löw, und so wartete ich also ein wenig lustlos auf dieses erste Spiel gegen Polen, das wohl mit nahezu identischer Aufstellung wie 2006 beginnen würde. Schon ok, so schlecht war das ja damals nicht, und Neuville ist ja auch wieder dabei. So dachte ich also, bis Joachim Löw nun also zu seinem letzten Interview vor dem wichtigen ersten Spiel antrat, und mit einem Schlag war meine Melancholie verflogen. Löw trug blond! Tatsächlich, der Mann hatte sich die Haare blondiert, wahrscheinlich ein stiller Gruß an seinen Freund von 2006, ganz sicher aber ein Signal: Hey, und jetzt machen wir Ernst! Dann ging es Schlag auf Schlag, nein, natürlich spielt Westermann für Metzelder, ha ha, Trochowski war sowieso ein bisschen verletzt, Marin haben wir deshalb nachnominiert und er wird vielleicht eingewechselt werden, wenn sich in unserem Spiel was festfährt, ha ha, und natürlich haben wir gerade erst gesagt, dass der Enke die Nummer zwei wird, stimmt ja auch, aber die neue Nummer eins, ha ha, das ist Adler, schön, dass Lehmann da mitgespielt hat, oder? Das ist Teamgeist, alter Schwede, ha ha, und er lachte und schlich sich. In diesem Moment begann die EM für mich, und auch dieses erste Spiel, es schien mir voll neuem Reiz.

Ich wurde nicht enttäuscht, die Deutschen spielten mit Druck und viel Witz, und sie spielten: blond. Ebenso wie der Bundestrainer hatten auch sie sich, durch die Bank, die Haare blondiert, ein einziges blondes Feuerwerk dort auf dem Platz, ein Tor nach dem anderen, ein Spieler nach dem anderen, jeder wurde eingewechselt und schoß dann sein Tor, sogar ich kam an die Reihe. Sehr spät zwar, aber immerhin: Ich schoß mein Tor noch vor Ballack. Der kam erst in der letzten Minute zum Zuge, wahrscheinlich wollte er das genau so – einen wuchtigen Schlußpunkt setzen unter sein brillantes Spiel, natürlich ein Kopfball, natürlich in den Winkel. In der Zeitlupe sah man, dass sein Kopf sich vom Halse löste, sofort nachdem er den Ball getroffen hatte, und er stieg in den Himmel, dieser blonde Kopf Ballacks, und er wuchs auf eine Größe, der Kopf, in der man noch niemals zuvor einen Kopf gesehen hatte, so blond, nein: golden, und er schwebte über dem Stadion mit langem Schatten, die Wolken umgaben sein krauses, goldenes Haar und er öffnete den Mund für diesen riesigen Löffel, der da angeschwebt kam, mit Nutella, alles Nutella, überall Nutella.



6. Juni 2008 0

haiku wasser

| Hoffnungsträger

zwischen lehmann und
adler wird’s ganz schön enke.
bälle hinterm tor



2. Juni 2008 0

Metzelderesque

| Hoffnungsträger

Meine Prognose, dass Portugal die Vorrunde nicht überstehen wird, war ziemlich bescheuert. So werde ich keinen Blumentopf gewinnen. Und wer ist schuld? Uri Geller Christoph Metzelder! Dessen unerträgliche »In-Wahrheit-bin-ich-ein-Weltklassespieler«-Tour hat mir in Kombination mit der Sommerhitze tatsächlich kurzzeitig das Gefühl vermittelt, dass Fußballwunder geschehen, solange man nur immer wieder wie selbstverständlich darüber spricht.

[Portugal? Haben die sich überhaupt qualifiziert? – Wer? Ronaldo? Noch nie gehört. – Scolari? Das sind Nudeln, oder? – Deco? Ach was, die Stadien sehen doch auch ohne Verzierung ganz hübsch aus. …]



30. Mai 2008 0

Daum drücken

| Hoffnungsträger

Man könnte sich über Daum aufregen, aber das würde nur ablenken. Die wahre Sensation ist: Onkel Zwanziger. Zumindest ich habe ihn ja immer für einen Onkel gehalten, harmlos, nett, und so flach, wie man es vom ersten Abziehbildchen des DFB wohl erwarten muss.

Und dann sitzt Dr. Theo Zwanziger dort und er lächelt und sagt Dinge. Gewiss sind es keine besonderen Dinge, die er da sagt, jeder einigermaßen vernünftig denkende Mensch würde das alles so sagen; etwas Besonderes wäre es nicht, wenn nicht er es wäre, der Präsident des DFB. Und wenn er es nicht auf eine Art tun würde, die mit jedem Wort das Erstaunen größer macht darüber, dass da tatsächlich jemand spricht, der es so meint. Keine Taktik um des Eindrucks willen, keine Strategie zu Gunsten zeitgemäßer Selbstbildkosmetik. Man spürt, es ist nichts Besonderes für ihn, das alles so zu sehen, so darüber zu reden, es ist nichts Besonderes für ihn, seinen Einfluss in diesem Sinne zu nutzen. Diese Selbstverständlichkeit ist neu, und sie ist etwas sehr Besonderes.

Ich hätte niemals gedacht, dass weiße Ritter auch mal als Gartenzwerge daherkommen. Ganz groß.



28. Mai 2008 0

11

| Hoffnungsträger

Adler im Tor, davor Mertesacker und Westermann, links Lahm, rechts Fritz, Frings natürlich, dann Marin, Ballack, Schweinsteiger, vorne Podolski und Klose. Es kann losgehen.