Autorenarchiv

27. Juli 2007 0

| Abseits

Ab morgen dann Hitzfeld in Gelb.



16. Juni 2007 1

Close

| Abseits

Der Mensch, der von Google und zu Besuch kam, weil er nach »Reng« und »Stefan Klos« suchte, der ist hier nicht fündig geworden. Aber den schönen Artikel von Ronald Reng über Klos, einen ruhigen Menschen und seinen leisen Abschied, nur ein paar Zeilen weiter oben, der ist ihm gewiss nicht entgangen.



16. Juni 2007 0

Mensch, Meyer

| Abseits

Hans Meyer, fotografiert von Benne Ochs

Foto: Copyright © Benne Ochs

Die Doppelseite wird eingenommen von einer formatfüllenden weißen Gardine, transparent, die Zipfel der langen Schuhe schauen unten heraus, die Gestalten dahinter ahnt man, sieht sie nur schemenhaft. So beginnt das Interview mit den Leningrad Cowboys, ein schönes Interview, eingeleitet mit einem genialen Foto von Benne Ochs. Das Interview beginnt auf Seite 96 der vorerst letzten Ausgabe der RUND, April-April-Ausgabe, kein Scherz.

Das Foto dort oben ist Hans Meyer, ich kenne kein zweites Bild, das ihn genau so zeigt, wie ich ihn wahrnehme. Wenn er spricht, grummelt, und es am Ende tatsächlich besser weiß. Ebenfalls aus der RUND, März 2006, Seite 44. Ebenfalls Benne Ochs.

Benne Ochs hat viele Fotos für die RUND gemacht, Cover, Aufmacher, kleine Schmuckbilder, es müssen hunderte sein. Viele Fotos davon sind gut; die meisten sind sehr gut. Dass ein Fotograf dieser Klasse für ein Fußballmagazin arbeitet, sagt viel aus über den Anspruch der Redaktion, eben nicht nur textlich, nicht nur faktisch. Ich mag das sehr. Aber vielleicht stimmt es ja, was man von jenen hört, die es immer besser wussten, denen der kicker genügt und das Internet, es mag stimmen, dass da kein Platz ist für ein Magazin, in dem Fußball mehr ist als nur rund. Vielleicht ist das so. Aber ich möchte mich einfach nicht mit den Günther Kochs dieser Welt begnügen.

RUND hat eine Webseite.
Benne Ochs auch. Anschauen.



14. Juni 2007 0

Steuerimpuls

| Abseits

Captagon ist ein Handelsname für Fenetyllin, es gleicht in der Wirkung dem Amphetamin. Fußballer auf Speed.

Oftmals entsteht die Illusion der Leistungssteigerung, die aber nur subjektiv vorhanden ist. […] Allgemein erhoeht sich aber die Initiative, d.h. der Antrieb irgendeine Taetigkeit auszufuehren, erhoeht sich. Dies aeussert sich in einer erhoehten Gespraechsbereitschaft, mehr Bewegung. […] Amphetamine koennen aufgrund ihrer aufputschenden Wirkung den Koerper so stark auslaugen, dass es zu einem regelrechten Zusammenbruch kommt. Der Koerper erhaelt weit ueber seine Leistungsgrenzen hinaus chemoelektrische Steuerimpulse vom Gehirn.

Die großen Augen, das Huschige, ich hätte ja immer gewettet, dass sich Neururer irgendwann als Daums Bruder im Geiste offenbaren würde. Alles ganz anders, alles die andern: Doping an der Tagesordnung.

Vielleicht ist das gut so, wenn einer beleidigt darüber ist, dass er nicht mehr mitmachen darf, dass die Pause zu lang wird, dass die Akzeptanz nicht akzeptabel ist – dann fällt das Reden leichter. Nach der gelben Karte hört man die roten schon rascheln. Die Nachspielzeit wird lang.



12. Juni 2007 0

| Rückpass

Sport im Westen, Spielberichtsarchiv

Ich wurde in Düsseldorf geboren, ich wuchs in Düsseldorf auf; ein Spiel der Fortuna habe ich seit ewigen Zeiten nicht gesehen. Macht nichts, zumindest bemerkenswerte Szenen stehen auch nachträglich zur Ansicht bereit: Sport im Westen, die regionale Sportsendung des WDR, hat ein relativ umfangreiches Archiv der gesendeten Spielberichte jener Mannschaften, die den Sendebereich interessieren, Regionalliga Nord. Nur kurz sind die Filmchen, ein oder zwei Minuten, aber das reicht ja dann auch.



11. Juni 2007 0

Sechs minus Neun

| Abseits

In Bremen zeigen sich zwei Enden fußballerischer Professionalität: Frings und Klose haben beide die WM 2006 genutzt, sich auf ihren Positionen als Weltklassespieler zu zeigen, beide sind auf den Weltmärkten zwangsläufig und zu Recht auch ins Gespräch gekommen. Das Ergebnis zeigt vor allem eines: Unterschiedlicher können zwei Menschen kaum sein.

Klose hat diese Situation, wie in Ansätzen auch bei der WM zuvor, nicht verarbeiten können. Schlecht beraten und überfordert schien er lange, ist er noch, seine Orientierungslosigkeit mündete in kindisch anmutenden Aktionen. Er scheint die Bestätigung von außen als Stütze zu brauchen, das innere Gerüst trägt nicht ausreichend. Ein Wechsel ins Ausland unter diesen Voraussetzungen war nie wahrscheinlich, für ein Auslandssemester fehlt es an Mut, das wird ein Ausflug ins Landschulheim nach München; er hat die gesuchte Väterlichkeit wohl in Hoeneß gefunden. Beinahe sicher scheint, dass sein Trotz ihn schon in diesem Jahr an die Isarwiesen schwemmen wird. Weiteren Zuspruch wird er sich erarbeiten müssen – den gewohnten Kuschelrock darf er in München nicht erwarten.

Frings hat ebenfalls lange für seine Entscheidung gebraucht, doch ihm nimmt man ab, dass Italien eine tatsächliche Option war. Dass er nun dennoch in Bremen bleibt, ist Indiz für einen starken Charakter. Nicht, weil er die pauschale Treue auf seinen Fahnen trägt – im Gegenteil scheint der Gleichschritt nie seiner gewesen zu sein –, sondern weil er hinter allen Ideen seine ureigenen Wünsche erkannt hat. Den leichteren Weg hat er nicht gewählt. Frings ist trotz aller Müdigkeit gegen Ende des Arbeitsjahres der wohl beste defensive Mittelfeldspieler der Bundesliga. Ein anderes Umfeld, eine andere Liga, andere Gegner und ein anderer Anspruch, das hätte ihn in Italien erwartet, das hätte es ihm auch einfach gemacht, die Motivation zu finden, sein Spiel nochmals zu verbessern, mindestens aber auf diesem international hohen Niveau zu halten. Aus sich selbst heraus, in den gewohnten Bahnen, mit den gewohnten Menschen, da wird es der innere Wille sein müssen, aus dem er seine Kraft schöpft. Neben der Erkenntnis, dass seine Idee, etwas Neues zu suchen, aus Unkenntnis seiner wahren Lebenssituation entstand, weiß er vermutlich auch um die größere Herausforderung des Bleibens. Seine Reise fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, eine Reise nach innen. Die Bilder, die hätte ich gerne gesehen.



9. Juni 2007 0

| Anstoß

Der Ball ist rund.



9. Juni 2007 0

Doppelgott

| Ballkontakt

In Argentinien gibt es eine Kirche, die nach Diego Armando Maradona benannt wurde, sein Weg zur Vergöttlichung begann mit einem Handspiel während der WM 1986 im Spiel gegen England, sein erstes Tor in diesem Spiel, sein zweites wurde später zum Tor des Jahrhunderts gewählt. Drogen, immer wieder nachgewiesenes Doping, ein irrer Lebenswandel, der zu keiner Zeit seiner Popularität einen Abbruch getan hätte.

Wen sollte es wundern, dass ein junger Mensch wie Lionel Andrés Messi keinen Wimpernschlag zögert, es jenem Vorbild nachzutun, wo doch all das als richtig bewiesen scheint, wie könnte ein Gott irren. Das Dribbling erst neulich, nun also die zweite Hand Gottes – Gott bekommt Nachwuchs, Messi ist auf dem Weg. Man wünscht beinahe, dass da jemand sein wird, der ihn rechtzeitig weggrätscht.



3. Juni 2007 0

| Abseits

Zweikampf, Mehrkampf.



2. Juni 2007 0

Marino, Marina

| Ballkontakt

Die Aufgeregtheiten vor dem Spiel. Und wie alle reden, von zweistelligen Ergebnissen, und wie man selbst das ja auch denkt und sofort auch wieder unappetitlich findet, überheblich eben, und deutsch, und wie dann alle warten auf das erste Tor, und man selbst ja auch wartet. Die Blues Brothers auf der deutschen Bank. Und wie man langsam schmunzeln muss, weil es eben nicht klappt mit dem ersten Tor, und wie man sich freut, dass die ersten Elfmeter nicht gegeben werden, weil das ja auch ohne Elfmeter gehen müsste, muss, aber es geht irgendwie nichts, und wie man sich freut, immer mehr, mit dem jungen Torwart, dritte Liga irgendwo und jetzt mit großer Bühne, und darüber, dass er auch ein wenig Glück hat. Obwohl das ja Fußball ist. Lehmann und sein einziger Paß, und statt zehn gegen elf dann doch elf gegen zehn. Wie sich die alte Euphorie manchmal zeigt. Wie sich die alte Scham manchmal zeigt. Wie keine Stimmung sich findet. Die Halbzeitmilde von Klopp. Und wie man den Klose langsam verliert, der all das nicht mehr wegspielen kann. Die erste Schwalbe von Frings. Der Schiedsrichter. Und viel zu viele Tore für dieses mulmige Gefühl.

Und beim nächsten Mal machen wir es dann vielleicht wirklich, und live, und schreiben das alles hier rein, so wie es geschieht. Da draußen. Und in uns.



1. Juni 2007 0

Die Raute unter dem Hakenkreuz

| Spielplan

hsv-museum

HSV-Präsident Emil Martens, Asbjørn Halvorsen und der Sportbeauftragte des Gaues Nordmark für Hamburg, Arthur Egon Schmidt (v. l.), aufgenommen 1933 auf dem Rothenbaum-Sportplatz. | Foto: Copyright © HSV-Archiv

Seit 43 Jahren, 281 Tagen, 1 Stunde, 46 Minuten und 30 Sekunden ist der HSV in der Bundesliga, 31, 32, 33, die Vergangenheit des Vereins reicht weiter zurück. Gut, wenn man erinnert, gut auch, wenn die Brille dabei unverdunkelt bleibt.

Am 5. Juni beginnt im HSV-Museum eine Sonderausstellung über die Geschichte des Vereins in den Jahren 1933 bis 1945, »Die Raute unter dem Hakenkreuz – Der HSV im Nationalsozialismus«. Eine Ausstellung über Anpassung und Opposition, Täter und Opfer, den sportlichen Alltag zwischen Krieg und Verfolgung. Die Ausstellung umfasst ca. 100 qm und zeigt neben den üblichen Exponaten, Fotos und Texten auch eine Videostation mit Interviews von Zeitzeugen.

Der Leiter des Museums selbst, Dirk Mansen, hatte die Idee zur Ausstellung schon vor einiger Zeit, »dass die Geschichte von Tull Harder und Asbjørn ›Assi‹ Halvorsen immer wieder von Journalisten und Öffentlichkeit nachgefragt wurde«, bekräftigte sein Vorhaben. Mit Unterstützung des HSV konnte die Ausstellung nun realisiert werden, nach Angaben des Vereins die erste ihrer Art.

Die Raute unter dem Hakenkreuz
Der HSV im Nationalsozialismus

05.06.2007 – 31.08.2008

HSV-Museum
Sylvesterallee 7
22525 Hamburg



29. Mai 2007 0

Mit aller Macht

| Abseits

Der FC Bayern München wird in der nächsten Saison wohl ein neues Spielsystem versuchen, vermutlich ja 7 – 2 – 7.



24. Mai 2007 2

| Hoffnungsträger

Neue Verpflichtung des FC Bayern München:
Philipp Lahm, rechter Verteidiger.

(Er über ihn.)



23. Mai 2007 0

Pippo

| Ballkontakt

Zurückgelegte Distanz: 10.134 Meter.

Man könnte glauben, ein Gebrauchtwagen habe die Mailänder zum Champions-League-Gewinn geschossen.



23. Mai 2007 0

Spielabbruch

| Abseits

Fünf italienische Meisterschaften, drei italienische und einen europäischen Supercup, einen Weltpokal, UEFA Intertoto Cup. Achtundvierzig Länderspiele, später Kapitän, drei Tore für Uruguay. Ich habe Paolo Montero sicher schon spielen sehen, wird so sein, muss so sein, aber ich erinnere mich nicht. Montevideo, Bergamo, ganze neun Jahre bei Juventus Turin. Ich erinnere mich nicht.

Nun hat er sich umgedreht und ist gegangen, mitten im Training, mitten in der Saison. Und ohne jegliche Erinnung an ihn oder sein Spiel: nun glaube auch ich, dass er »einer der besten Innenverteidiger der Welt« gewesen ist.