Autorenarchiv

3. April 2009 0

0:1 Ballack, 1:1 Löw Wales – Deutschland 0:2

| Ballkontakt

Eine Ohrfeige ungeahndet zu lassen,
damit macht er sie sich zu eigen.



3. April 2009 0

| Anstoß

Ich finde auch, Fußballer sollten Hüte tragen und beim Kopfball müssten sie gelüftet werden.



25. Juni 2008 0

Béla Béla Deutschland – Türkei 3:2

| Ballkontakt

Da hängt ein Hautlappen herunter, bei Rolfes, aber das ist zu diesem Zeitpunkt auch schon egal, das Spiel ist mir längst unheimlich. Ist ja nur Fußball, aber dieser hier ist besonders, dieser hier ist nach den Gesetzen der Alpträume. Kroatien, noch einmal. Diese Lähmung, die man körperlich spüren kann, diese Lähmung kriecht aus dem Fernseher und nimmt mich gefangen; Desorientierung dort, und in mir.

Später wird der Bildschirm grau, niemand schaut zu. Auf dem Balkon und rauchend höre ich Réthy, der durch die offene Balkontür hallt, Béla Réthy in den Straßen, niemand zu sehen, seine Stimme aus den Häusern und über all dem. Big Brother Réthy hat sich über die Welt gelegt. Später kommen die Bilder zurück, langsam, und seine Stimme läuft vor diesen Bildern her, im Arbeitszimmer mit noch mehr Verzögerung Zattoo, immer also erst Réthy, dann die Bilder, dann Zattoo, und ich: zwischen den Zimmern und Bildern und Tönen. Das Leben hat ein bisschen an Synchronität verloren.



25. Juni 2008 0

| Abseits

Nun gut, Italien ist raus.

[Gefunden im Blogblick Fußball, Making of dort.]



23. Juni 2008 0

Schichtwechsel

| Abseits

Und in all dem Jubel die Anzugträger, Funktionäre vielleicht, auf jeden Fall aber immer ein bisschen hilflos. Auch sie jubeln, aber sie sind es gar nicht gewöhnt, das Jubeln, die Unbeschwertheit, die Körperlichkeit, ihre Anzüge sind nicht dafür gemacht, Arme hochzureißen. Und ich staune, wenn ein Spieler sich erneut einen jener Anzugträger schnappt, komm her, mein Lieber, und wie er ihn dann umarmt, Seinesgleichen. Funktionäre vielleicht, kann schon sein, aber manchmal stelle ich mir vor, wie sich ein Schalterbeamter der Deutschen Bank dazwischenmogelt. Vielleicht sind das ja alles Schalterbeamte, so viele Funktionäre kann es nicht geben, ein Schalterbeamtenausflug vermutlich, und sie sind unterwegs um zu lernen, wie das geht, das mit der Freude.



18. Juni 2008 2

| Anstoß

der geheimnisvolle strapsenlook der österreicher.



17. Juni 2008 0

| Anstoß

man kann sich jogi löw natürlich auch sofort in einer lausigen berliner coffee bar vorstellen,



16. Juni 2008 0

| Anstoß

…und sagt man nicht auch im Fußball so schön:



12. Juni 2008 0

| Abseits

Schweiz verregnet,
Deutschland nass gemacht.

[via autofab]



11. Juni 2008 0

1:0 Schweiz – Türkei 1:2

| Ballkontakt

Und wie sich nach Lukas Podolski auch Hakan Yakin nicht freuen kann, freuen will, nicht rennend nicht lachend nicht brüllend. Und wie durch diese beiden für einen kurzen Moment jener Zwiespalt sichtbar wird und jener ganz ursprüngliche Respekt, jene verinnerlichte Achtung: vor sich selbst, vor den Menschen, vor dem Leben. Daraus könnte man lernen.



11. Juni 2008 0

»Flüchten oder standhalten«

| Spielplan

Martin Storz ist Fotojournalist und führt ein Weblog. Martin Storz mag keinen Fußball, glaube ich, aber dennoch kann er mit Fußball etwas anfangen. Das Projekt »Flüchten oder standhalten« sammelt »Kurioses, Nebensächliches, Aufregendens, Banales rund um unsere fussballbegeisterte Umwelt« und man ahnt schon, dass es um den Blick der Beteiligt-Unbeteiligten geht; ein Blick von Außen, dem entfernteren Teil eines größeren Innen: täglich neue Fotos. Spannend.



10. Juni 2008 0

Tempel des Rehakles Griechenland – Schweden 0:2

| Ballkontakt

Tempel des Rehakles

Copyright © Foto: Ricardo De Mattos; Montage: etcpp



10. Juni 2008 0

Orangina Niederlande – Italien 3:0

| Ballkontakt

Manchmal zweifle ich an meinem Fußballverstand, glücklicherweise geht das in der Regel schnell wieder vorbei. Natürlich sind es die Anderen, die nicht richtig hingeschaut haben – das Spiel Holland gegen Italien hat unter diesem Aspekt vor leeren Rängen stattgefunden.

In der ersten Halbzeit haben sie fantastisch gespielt, keine Frage, in der zweiten Halbzeit haben sie fantastisch gekontert, unbestritten; unterm Strich aber hatten sie: Glück.

Ohne die absurde Auslegung einer Zusatzbestimmung (Seite 72) von Regel 11 wäre das erste Tor ein klares Abseits gewesen, das dritte Tor ganz ohne jede Regel ein gefühltes Eigentor. Dazwischen spielte sich die alte Tragik des Fußballs ab – tausend italienische Chancen ohne Ergebnis. Hätte, wäre, wenn – niemand würde sich über ein Unentschieden gewundert haben. So wundere nur ich mich.

[Disclaimer: Ich esse lieber italienisch als holländisch.]



8. Juni 2008 0

Löwenzahn

| Hoffnungsträger

Als Joachim Löw zum letzten Interview vor dem wichtigen ersten Spiel antrat, ahnte ich, dass meine Enttäuschung der letzten Tage verfrüht war.

Löw hatte noch einen Odonkor gebraucht, für die Stimmung im Land, und sein Odonkor war nicht Adler gewesen, den erwartete ja sowieso jeder, sondern Marin: irgendwie gut der Mann, irgendwie aber trotzdem auf keiner Rechnung. Und klein war er auch, genau richtig also, sein Odonkor-Derivat. Seltsam nur, dass die voraussehbar landesweit einsetzende Euphorie schon im zweiten Halbsatz erstickt wurde, schaut mal: der ist klasse, aber nicht klasse genug. Hä? Im Gegensatz zu 2006 hatte Odonkor Marin also nach Hause fahren müssen. Die Strategie dahinter war mir verborgen geblieben, gut, ein Überraschungsgast als Euphorie-Trigger, das hatte auch ich erwartet, aber wozu jene Ernüchterung? Vielleicht war ja genau das seine Strategie gewesen, über Bande sozusagen, um deutsche und meine Wünsche nicht in den Himmel wachsen zu lassen.

Das war ihm gelungen, dem Löw, und so wartete ich also ein wenig lustlos auf dieses erste Spiel gegen Polen, das wohl mit nahezu identischer Aufstellung wie 2006 beginnen würde. Schon ok, so schlecht war das ja damals nicht, und Neuville ist ja auch wieder dabei. So dachte ich also, bis Joachim Löw nun also zu seinem letzten Interview vor dem wichtigen ersten Spiel antrat, und mit einem Schlag war meine Melancholie verflogen. Löw trug blond! Tatsächlich, der Mann hatte sich die Haare blondiert, wahrscheinlich ein stiller Gruß an seinen Freund von 2006, ganz sicher aber ein Signal: Hey, und jetzt machen wir Ernst! Dann ging es Schlag auf Schlag, nein, natürlich spielt Westermann für Metzelder, ha ha, Trochowski war sowieso ein bisschen verletzt, Marin haben wir deshalb nachnominiert und er wird vielleicht eingewechselt werden, wenn sich in unserem Spiel was festfährt, ha ha, und natürlich haben wir gerade erst gesagt, dass der Enke die Nummer zwei wird, stimmt ja auch, aber die neue Nummer eins, ha ha, das ist Adler, schön, dass Lehmann da mitgespielt hat, oder? Das ist Teamgeist, alter Schwede, ha ha, und er lachte und schlich sich. In diesem Moment begann die EM für mich, und auch dieses erste Spiel, es schien mir voll neuem Reiz.

Ich wurde nicht enttäuscht, die Deutschen spielten mit Druck und viel Witz, und sie spielten: blond. Ebenso wie der Bundestrainer hatten auch sie sich, durch die Bank, die Haare blondiert, ein einziges blondes Feuerwerk dort auf dem Platz, ein Tor nach dem anderen, ein Spieler nach dem anderen, jeder wurde eingewechselt und schoß dann sein Tor, sogar ich kam an die Reihe. Sehr spät zwar, aber immerhin: Ich schoß mein Tor noch vor Ballack. Der kam erst in der letzten Minute zum Zuge, wahrscheinlich wollte er das genau so – einen wuchtigen Schlußpunkt setzen unter sein brillantes Spiel, natürlich ein Kopfball, natürlich in den Winkel. In der Zeitlupe sah man, dass sein Kopf sich vom Halse löste, sofort nachdem er den Ball getroffen hatte, und er stieg in den Himmel, dieser blonde Kopf Ballacks, und er wuchs auf eine Größe, der Kopf, in der man noch niemals zuvor einen Kopf gesehen hatte, so blond, nein: golden, und er schwebte über dem Stadion mit langem Schatten, die Wolken umgaben sein krauses, goldenes Haar und er öffnete den Mund für diesen riesigen Löffel, der da angeschwebt kam, mit Nutella, alles Nutella, überall Nutella.



6. Juni 2008 0

haiku wasser

| Hoffnungsträger

zwischen lehmann und
adler wird’s ganz schön enke.
bälle hinterm tor