Autorenarchiv

1. Oktober 2011 0

Siebensachen

| Abseits

Mich erreichte ein Preis. Ein Award! rotkapi hat ihn mir beziehungsweise meinem Blog verliehen, seit gestern probe ich vor dem Badezimmerspiegel meine Dankesrede. Da aber heute kein Filmteam Zeit hatte (Wochenende) und auch kein, sagen wir, Robert Redford sich spontan bereit erklärte, mir während meiner unrunden Rede beschützend die Hand zu halten, schreibe ich euch einen Text. Denn dieser Preis – genauer gesagt: der »Versatile Blogger Award« – kommt nicht nur mit Blumen, sondern auch mit Regelbüchlein daher. Man möge sich bitte bedanken (was für eine Regel!) und im Anschluss seinen Bloglesern sieben persönliche Dinge verraten. Also gut:

Danke, rotkapi, ich freue mich sehr! Dir zu Ehren esse ich, während ich diesen Text bastle, eine Tafel Ritter Sport Marzipan. Macht auch mutiger im Hinblick auf die nun folgenden Geschichten.

Eins.
Ich bin bekennender Ergebnisvergesser. Ich mag Fußball sehr und verfolge ihn seit langer Zeit (mal mehr, mal weniger) intensiv, aber Ergebnisse merke ich mir ebenso wenig wie Tabellenmittelfeldplatzierungen. Dafür weiß ich aber noch ganz genau, wie es damals in der BayArena roch, als United da war, und wie die Bratwurst beim SV Westfalia Rhynern schmeckte. Lecker.

Zwei.
Das WM-Finale 1990 sah ich gemeinsam mit meinem Vater in einem zweckmäßig möblierten Zimmer des Novotels Perpignan. Wir waren auf der Rückreise aus einem unserer Spanien-Urlaube, meine Mutter hatte mit meiner kleinen Schwester den Flieger genommen, Papa und ich fuhren Auto. Yeah! Wir hatten alle deutschen Spiele in unserer Ferienwohnung an der Costa Blanca verfolgt, mit spanischem Kommentar, und uns jedes Mal köstlich darüber amüsiert, wie die Namen der deutschen Spieler ausgesprochen wurden (»Rrriedel«). Und dann Perpignan, unser Finalort. »0:1 Brehme, Elfmeter«, sagt mein Vater heute noch wie aus der Pistole geschossen (die Ergebnisvergesslichkeit kann ich nicht von ihm haben). Ich war damals 13, das Zimmer unsere Hüpfburg. Am nächsten Tag fuhren wir weiter und blieben prompt auf der Autobahn stehen: Tank leer. Mein sonst so akkurater Vater hatte sich mit dem Sprit verschätzt. Was für eine aufregende Reise, was für ein glücklicher Sommer.

Drei.
Ich meide Public-Viewing-Veranstaltungen. Fußballgucken mit vielen anderen Menschen zusammen finde ich nur im Stadion super, ansonsten macht mich das unheimlich nervös. Sportkneipen gehen noch so gerade, aber Spiele, die mir sehr wichtig sind, die ich auf keinen Fall verpassen möchte, schaue ich am allerliebsten ganz allein, zu Hause vor dem Fernseher, inklusive Vorberichterstattung und Analysen. Volles Programm. Da quatscht keiner dazwischen, ich kann zappeln, fluchen, kreischen und hopsen, wie ich will, und in der Halbzeit schnell aufs Klo.

Vier.
Das Ruhrstadion (aka RewirpowerSTADION) ist eines meiner Lieblingsstadien. Möchte gern mal wieder hin.

Fünf.
Ich bin für mehr Bärte in der Bundesliga. Und damit meine ich nicht solche Bärte, sondern eher solche. Okay, so ein Cantona-Bart (an Monsieur Cantona dran) ist natürlich eine Klasse für sich, aber eine erkennbare Tendenz wäre ja bereits entzückend. Gern anstelle der ganzen grässlichen Tattoos.

Sechs.
Apropos Cantona. Looking für Eric ist einer der wundervollsten Fußballfilme, die ich kenne. Eine Empfehlung auch für Nichtfußballinteressierte. Als ich ihn zum ersten Mal sah, auf DVD und auf Französisch (ich hatte mir den Film aus Frankreich mitgebracht), war ich so gefrustet darüber, dass ich Cantonas Französisch kaum verstand, dass ich heulend ausschaltete und die DVD in die Ecke pfefferte. Später ging es dann wieder, hab zwar weitergeheult, aber nicht mehr aus Frust.

Sieben.
Seit vier Jahren lebe ich in Berlin und ich finde es super hier. Meistens bin ich in Friedrichshain, mir gefällt aber auch Pankow, ich gehe abends gern in Kreuzberg weg und trinke manchmal einen Kaffee in Mitte. Ich finde TeBe sympathisch, habe mich neulich bei Union wohl gefühlt und gehe inzwischen auch gerne mal ins Olympiastadion.

Das waren meine sieben Sachen, jetzt kommt der abschließende Programmpunkt: Die im Regelbüchlein vorgeschriebene Weitergabe des Awards an eines oder mehrere meiner liebsten Blogs. Ohne große Worte und von Herzen geht mein Preis an zwei Lieblinge: 96-Sympathisant kutter, dicht und wahr, und das vereinzelt abseitige freitagsspiel. Glückwunsch, die Herren. Weiter mit Musik.



26. September 2011 0

| Anstoß

Bei ihm wird die Seitenlinie zur Waterkant. Von dort blickt er auf einen unendlichen Ozean.



25. September 2011 0

Zuckerpass

| Abseits

Aufstellung. Foto: Copyright © rockabella, photocase.com

Wenn ich am Wochenende Sky einschalte, um mir die Bundesliga anzusehen, freue ich mich seit Neuestem vor allem auf einen: Clafoutis.

Platini, Henry, Ribéry, Clafoutis – allein der Name ist schon Kunstwerk. Und was Clafoutis mit der Kirsche kann: Zucker. Diese Ästhetik, dieses Körpergefühl! Erste Sahne. Zu Beginn des Spiels hält sich der französische Stratege meist dezent zurück, sorgt für Ordnung, sichert nach hinten ab, kontrolliert das Geschehen. Er ist der Mann fürs zentrale Mittelfeld, dort fühlt er sich wohl, dort lebt er auf. Und dann, so Mitte der ersten Hälfte, wenn er richtig heiß ist und vor Spielfreude dampft, dann sucht Clafoutis seine Chance, erobert zielstrebig den freien Raum, der Rest ist – mmhhhhh – Geschichte. Aus dem Hintergrund müsste Clafoutis schießen, Clafoutis schießt … Ein Augenschmaus.

Gut, mitunter landet auch mal ein Pass im Mehl, aber, hey, der Typ hat Eier. Er rührt sich auch hintenrum und geht dahin, wo es gefährlich ist. Seine elastische, schlichte Eleganz und seine imposante Körpersprache machen Clafoutis schon jetzt zu einem ganz Großen. Und wie er dann nachher beim Interview steht und mit seinö süßö froohnssösischö Akssoon antwortet: »Oui oui, c’est ça. Gönießöhn, beim Fußball gehtesvorallöhm ums Gönießöhn.« Unbezahlbar.

[Clafoutis ist ein Nachtisch, eine französische Süßspeise, ein voluminöser Pfannkuchen aus dem Ofen, mit Obst. Am liebsten nehme ich Kirschen, habe aber auch schon Himbeeren ausprobiert, Mango und Pfirsich. Wenn die Leckerei dampfend auf dem Tisch steht – sie ist sehr schnell hergestellt: Eier, Zucker, Mehl und Milch anrühren, Form einfetten, Obst rein, flüssigen Teig drüber, ab in den Ofen –, wird sie noch mit Puderzucker bestäubt und sollte dann am besten lauwarm verputzt werden. – So, bin mal kurz in der Küche.]



21. September 2011 9

Oder Hörnchen

| Abseits

dieses Ding mit den zwei Hörnern (Fußball.)

Über Fußball haben wir uns nur am Rande unterhalten, eigentlich ging es ja vor allem um Gentrifizierung, denn das ist das Thema, mit dem sich das Blog hausbesuchwins von rotkapi hauptsächlich beschäftigt, der rote Faden also. Doch in vielem, das bemerkte ich später, sind sich Gentrifizierung und Fußball gar nicht so unähnlich. Die Skepsis einer wie auch immer gearteten Entwicklung gegenüber, das vehemente Parteiergreifen, das bisweilen Bärbeißige, die Verdrängung, die viele Statistik (seufz) …

rotkapi ist mutig. Nein, gar nicht wahr: Diese Frau ist der Hammer. Die traut sich gewiss auch mit BVB-Trikot in die Schalker Nordkurve. Und mit Gebäck. Innerhalb von 200 Tagen besucht sie nämlich spontan und »ungebeten« 200 fremde Menschen im Winsviertel – junge und alte, nette und doofe distanzierte, neue und schon immer dagewesene –, um mit ihnen Kuchen zu futtern, Kaffee zu trinken und über das Leben im Prenzlauer Berg zu plaudern. Darüber schreibt sie dann in ihrem Blog.

Ich finde das schwer beeindruckend. All die Disziplin, das Wohlwollen und die Wachheit, die es dafür braucht. All die Geschichten in Kopf und Herz. Respekt! Aber wieso macht sie so was? Neugier, unter anderem, und eine Wette, na klar. Eine ordentliche Wette, puh, und eine besonders originelle. Zur Halbzeit, erzählt rotkapi, gibt es vielleicht ein Fest. Als Motivation, als Meilenstein und als Stärkung für die zweite Hälfte, »mal schauen«.

Go, rotkapi! Du schaffst das! Und für die Nachspielzeit – wirst schon sehen – back ich dir einen Fußballkuchen. Mit Zuckerguss und Werder-Fähnchen. Kiezübergreifend lecker.



12. September 2011 0

Einer wie Heiner

| Abseits

Copyright © Foto: SV Werder Bremen; Montage: Stefanie Barthold



9. September 2011 0

| Anstoß

Formen Sie Ihren eigenen Fußball oder verwenden Sie das Football Tape, um Ihre Umgebung thematisch zu schmücken.



8. September 2011 0

Angst, Maschinen

| Hoffnungsträger

Philipp Lahm ist ein Gewinnertyp. Seit seiner Jugend bei der FT Gern, so betont er selbst immer wieder, ist in seiner Fußballerkarriere nicht viel schiefgelaufen. Er hatte fast immer Erfolg, eine Niederlage galt als Ausnahmeerscheinung. Vielleicht liegt es daran und an seiner Geschichte ganz allgemein, dass sich – so empfinde ich es zumindest – in mehreren Passagen seines kürzlich erschienenen Buches eine recht rudimentär anmutende Definition von Starksein und Schwachsein offenbart.

Lahm rät homosexuellen Mit- oder Gegenspielern (angeblich kennt er »keinen einzigen«) von einem Outing ab, weil er, so schreibt er selbst, Angst hätte. Vor den Reaktionen der Zuschauer, der »Masse«, der Medien, und davor, dass es dem betreffenden Spieler nicht gut ergehen würde. Ich vermute, er fürchtet – und damit ist er gewiss nicht allein – vor allem etwas anderes:

Das Outing des anderen ist immer auch das eigene. Insbesondere ein Kapitän, wie Lahm es ist, müsste Haltung zeigen, eine wie auch immer geartete Position vertreten, vor den Fans, dem Verein, den Mitspielern, vor sich selbst. In einem anderen Umfeld wäre das kein großes Thema, im Fußball leider schon. Lahm wäre also gezwungen, sich intensiver, als er möchte, mit Dingen zu befassen, die außerhalb der Sicherheit des Platzes und jenseits des gelernten Spiels mit dem Ball stattfinden. Er, der den FC Bayern für seine perfekte Struktur und Organisiertheit schätzt, dem das klinsmannsche Durcheinander zuwider war, der Ehrgeizige, Gradlinige, auf Kontrolle Bedachte. Ihm wäre das zu viel, zu unvorhersehbar, es würde ihn stören und womöglich aus der (Erfolgs-)Spur bringen. Lahm fürchtet den Kontrollverlust. So schlimm kann kein Kreuzbandriss sein, kein Ermüdungsbruch und keine Geldstrafe.

… ich weiß, dass er [der schwule Fußballer] darunter leiden würde, und in der Folge seine ganze Mannschaft.

Das schreibt Philipp Lahm, unterschreiben würden es Tausende, und obwohl ich ihm seine Besorgtheit in weiten Teilen abnehme und ihn durchaus für einen mitfühlenden Menschen halte, erschrecken mich der Egoismus und das Kalkül, die in einem solchen Satz durchblitzen. Bitte oute dich nicht, denn das schadet mir, äh, dir.

Das Duell gegen die viel zitierten Führungsqualitäten entscheidet – mit Verlaub – die Angst um den eigenen Arsch klar für sich.



7. September 2011 0

Geschmacksverstärker

| Abseits

Schmeckt es euch? Natürlich schmeckt es euch. Schließlich habe ich den ganzen Tag für euch in der Küche gestanden.*

Fußballer, die davon ausgehen, dass »die Zuschauer« automatisch »ein schönes Spiel« sehen und glücklich und zufrieden sind, solange es nur »immer hin und her« geht, sind mir suspekt. So ein Unsinn. Bei einer Fehlpassquote von – was weiß ich – 80 Prozent geht es auch immer hin und her, und dennoch liegt das Resultat nicht nur Gourmets schwer im Magen, behaupte ich mal.

Ich lese das nun zum wiederholten Male (auch heute wieder, hier) und verstehe es nicht. Ein merkwürdiges Selbstbild, das hinter einer solchen Aussage steckt. Ich als Zuschauer fühle mich nicht angesprochen. Diesen Zusammenhang herzustellen zwischen Quantität und Qualität, finde ich schwer nachvollziehbar und irgendwie unprofessionell, ja, sogar ein bisschen beleidigend.

* Irgendeine Omma, die es immer nur gut mit allen meinte.



3. September 2011 3

Im Grünen Union Berlin – Werder Bremen 2:2

| Abseits

Da stehen wir nun, mitten im Wald. Vormittags hatte ich angesichts des herrlichen Wetters noch in Erwägung gezogen, mit dem Fahrrad zum Spiel zu fahren, aber das hier, das ist ja noch viel abenteuerlicher. Wir waren uns irgendwie sicher, dass es okay sein würde, hier aus der S-Bahn zu steigen, aber auf einmal ist da nur diese lange, zweispurige, recht ordentlich befahrene Straße ohne Fußgängerweg – und links und rechts Wald. Ein leiser Zweifel. Hm. Okay, also erst ein paar Schritte Gefahr am Straßenrand, dann nix wie ab in den Wald. Wird schon richtig sein, das Stadion ist doch … ähm … ganz in der Nähe … eigentlich … oder?

Wald halt. Pure Idylle. Ein Trampelpfad, Wurzeln, duftendes Grün, Stille, keine Menschenseele in Sicht, nur zwei junge Frauen, die zum Fußball wollen und froh sind, bequemes Schuhwerk zu tragen. Wir lachen, weil wir uns Hunderte Union-Fans vorstellen, die in voller Fanmontur diesen verwunschenen Weg hier entlangtrotten, so Sieben-Zwerge-mäßig in langer Reihe, denn ein Nebeneinander lässt der Weg kaum zu. Hei-ho, hei-ho. Und wenn dann mal Dresden kommt oder so, dann muss doch auch die Polizei mit denen hier lang. Ha ha! Uns schwebt da eine erstklassige Fotostrecke vor, wir stapfen weiter. Sind jetzt schon total in Fußballstimmung. Aber irgendwie zieht sich das hier. Hätten vielleicht doch mit der Parkeisenbahn fahren sollen, mit der blauen Lok Gunther, dann wären wir sicher längst da. Na ja, es ist noch viel Zeit bis zum Anpfiff, und außerdem scheint die Sonne. Ich hab einen Ohrwurm von diesem schrecklichen Sieben-Zwerge-Lied.

Plötzlich, sieh mal, ein Mensch! Es ist ein langhaariger Eisern-Union-Ordner, der sich freut, uns zu sehen. »Jo, immer geradeaus, immer weiter, dit is schon korrekt.« Erleichterung. Dann Grillgeruch, Musik, mehr Menschen, ein grüner Bus, rotweiße Schals. Hurra, wir sind richtig. Haben wir doch gleich gewusst.

[Das war ein sehr schöner Nachmittag in der Alten Försterei. Werder hat zwar nicht gerade geglänzt – in der ersten Hälfte ging’s noch, zwei »Rosmarintore« –, aber ich habe mich ein bisschen in das Stadion und die Union-Fans verguckt. Wie die singen! Werde das weiter verfolgen, den Weg kenn ich ja jetzt. Vielleicht fahre ich aber auch demnächst mal eine Station weiter. Nur so, um mal zu gucken.]



1. September 2011 10

Mein Herz so schwarz-weiß

| Abseits

So. Habe mal ein paar Jahre darüber nachgedacht, ob es stimmt, dass einem die Liebe verloren geht, wenn man beginnt, sich intensiv mit ihr (bzw. dem, was man liebt) zu beschäftigen. »Professionell«, schriftlich, regelmäßig, öffentlich, eventuell auch für Geld. Ich war mir lange Zeit nicht sicher, aber ich nahm die Sache ernst, wollte da kein Risiko eingehen. Ist es wirklich so, dass der Zauber verschwindet?

Kann sein.
Glaub ich aber nicht.

Neulich habe ich eines dieser Expertenbücher gelesen, in denen dazu geraten wird, stets seinen Leidenschaften nachzugehen, also auch beruflich, nach dem Motto: »Nimm das, was dir wirklich wichtig ist, als Gradmesser, als Ausgangspunkt und Ziel. Verfolge das, was du liebst. Es wird dich nicht nur glücklich, sondern auch erfolgreich machen.« Das Erste, was ich beim Lesen dieser Zeilen dachte, war: Könnte vielleicht auch mal jemand erwähnen – obwohl es unpopulär ist und spielverderbermäßig rüberkommt –, dass man sich seine Liebe auch ordentlich versauen kann, indem man beispielsweise versucht, einen Beruf daraus zu machen, oder sich Regelmäßigkeit vornimmt, sie zum Projekt ernennt? Sollte man sich nicht vielmehr auf das fokussieren, was man gut kann, und das, was man liebt, besser in Ruhe und sich selbst genug sein lassen?

Nö.
Grundsätzlich schließen sich Lieben, Wollen und Können ja erst mal nicht aus. Idealerweise ergänzen sie sich sogar. (Ach was.)

Das mit mir und Fußball, das ist schon lange was Seriöses und geht nicht so schnell verschütt. Aber gelegentlich gilt es zu kämpfen, wie so oft – nicht so einen entbehrungsreichen, aufopferungsvollen Blödsinnskampf, der zu nichts führt und unglücklich macht, sondern einen, mit dem es einem vorwiegend gut geht, der zwar mitunter anstrengend ist, aber auch Kraft gibt. Die Liebe vor den Fouls des Alltags beschützen. Sie nicht verleugnen. Um sie wissen, auch wenn sie sich gerade mal versteckt. Sich für sie einsetzen. All das ist nicht so leicht, dazu braucht es Eier Mut, einen klaren Blick, ein halbwegs intaktes Herz-Kreislauf-System und ein bisschen Glück. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich Fehler zu verzeihen, das Unentschieden auszuhalten. Und manchmal muss man auch mal alleine durchgehen und in Kauf nehmen, sich zu verdribbeln.

(So. Pathosendspurt.)

Ich liebe Fußball. Ich liebe dieses Weblog. Und jetzt bin ich aufgeregt, mir ist warm, ich hab Puls. Und Lust, wieder häufiger Liebesbriefe zu schreiben. Lange, kurze, kryptische, kitschige, unrunde. Einige werde ich zigmal verwerfen und von Neuem beginnen, so wie diesen hier, andere nie abschicken, aber das macht ja nichts. So ist das eben manchmal mit der Liebe.



23. August 2011 0

| Anstoß

Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen, können das Buch als Gebrauchsanweisung für ihre eigene Karriere lesen.



19. August 2011 0

| Hoffnungsträger

Messi streikt. Heute sah ich ihn in Friedrichshain, gefällt ihm hier.
Foto: Copyright © Stefanie Barthold



17. August 2011 0

Vom Fanwerden und -sein

| Abseits

»Ich bin richtig heiser vom Schreiben«, sagt er nachher, als ich ihn zu seinem Mut beglückwünsche, und tatsächlich klingt er atemlos wie nach 90 Minuten plus Nachspielzeit. So* zu schreiben – ganz offensiv, alle Mann nach vorn, ohne Torwart im Rücken, nur mit einem Gefühl im Bauch, Bildern im Kopf und dem Herz in der Hand, dem Wunsch, mehr darüber zu erfahren, im Schreiben etwas wachsen zu sehen, innen und außen, live und öffentlich, auch auf die Gefahr hin, dass der Versuch scheitert und die Fragen bleiben, Ende offen und vielleicht lacht jemand –, das muss man sich erst mal trauen. Das Resultat ist ein Text, der sich erst wand, dann wandte und schließlich fügte. Wow. Ich bin richtig heiser vom Mitlesen.

* »Dieser Text ist gerade in seiner Entstehung begriffen, du kannst zuschauen, er wird konstant aktualisiert.« Dieser Hinweis stand dort, als der Text noch Entwurf und im Werden war.



15. August 2011 0

Das Erleben der anderen

| Abseits

Je mehr Menschen ich kenne, die für unterschiedliche Vereine mitfiebern, desto interessanter finde ich es, Spiele dieser Mannschaften zu verfolgen. Zwar ist ein rein sportliches, fußballerisches Interesse ohnehin vorhanden, aber mir gefällt auch, was das Wissen um die Leidenschaftsverteilung der anderen mit mir macht.

In meiner Vorstellung werfen einige von ihnen Bierbecher. Andere lächeln. Wieder andere springen auf und tanzen um den Tisch. Manche zuppeln nervös an ihrem Bart. Ein Tor fällt und ich denke: Ach, jetzt freut sich der Soundso. Oder: Oh nein, XY hat gerade einen richtigen Scheißabend … Hoffentlich hat er Bier da. Oder auch: Na los, jetzt noch ein Treffer für Hmhmhm. Und ich muss grinsen, wenn ich beim Blick auf die Kicktipps den Verdacht habe, dass ein Resultat mehr Herzenswunsch als echte Prognose ist.

Ob ich diese Leute nun persönlich kenne, ob ich »nur« ihre Blogs lese oder sie und ihre Vereinslieben mir aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben sind – dieses Miterleben, sei es auch nur imaginärer Natur, ist ziemlich schön.



15. August 2011 1

Stilfrage Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

| Abseits

Dutt

Trendfrisur. Foto: Copyright © illleeeegal, photocase.com

»Ich habe es perfekt gemacht«, soll Dutt in der Pressekonferenz die Einwechslung von Rolfes kommentiert haben. Ist der noch zu retten? Na klar, durch die Meisterschaft. Aber wer weiß, vielleicht trägt Leverkusen das Haar bis dahin lieber wieder offen.

[Für einen ganz kurzen Moment so ein Was-wäre-wenn-Gefühl: In Wirklichkeit ist er bestimmt gar nicht arrogant. Gebt dem Mann doch mal Zeit. Und Chancen. Das ist doch gemein, alle hacken auf dem rum. Dabei ist der ganz gewiss nicht so selbstverliebt, wie er rüberkommt, sondern bloß etwas echauffiert, genau wie i… Ach nee, schon gut.]